«Wenn wir nicht operieren, wird sie wohl sterben.» Mit dieser nüchternen Feststellung nahm das Martyrium seinen Lauf.

Nichts Böses ahnend brachte ich Anfang März meine Katze Mathilde zu ihrem jährlichen Kardiologie-Kontrolltermin. Mathilde hat einen leichten Herzfehler, der aber eigentlich keine Probleme macht. Ich dachte, wir fahren da halt hin, 20 Minuten Ultraschall und man sieht sich nächstes Jahr wieder.

Dachte ich.

Die Kardiologin konnte zwar am Herzen tatsächlich keine Verschlechterung feststellen. Doch rein zufällig entdeckte sie bei der Untersuchung eine Unregelmässigkeit an der Lunge.

Es stellte sich schliesslich heraus, dass sich in Mathildes Lunge ein Abszess gebildet hatte, der früher oder später platzen oder aber eine Lungenentzündung auslösen würde. Oder beides.

Ursache: ein eingeatmeter Fremdkörper.

Ein eingeatmeter Fremdkörper? Was ist das denn für eine bescheuerte Krankheitsursache?

Für das Wahrscheinlichste hielten es die Ärzte, dass das beim Erbrechen passiert sein könnte: Da die Katze als solche mitunter zur Dramatik neigt, würden sie auch beim Kotzen gern mal etwas mehr als objektiv nötig rumwürgen und -zappeln und dabei könne es vorkommen, dass sie etwas vom Auswurf einatmen, der dann in der Lunge landet und einen Abszess verursacht.

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Was es alles gibt.

Da Mathilde gemäss den Fachärzten des Tierspitals ohne Operation kaum eine Überlebenschance hatte, entschied ich mich für den Eingriff – wissend, dass er sie vielleicht umbringt.

Die Entscheidung erwies sich als richtig: Der Abszess hatte tatsächlich bereits eine Entzündung der Lunge in Gang gesetzt, doch der betroffene Lungenlappen konnte komplett samt Abszess entfernt werden. Mathilde verkraftete die schwere OP gut und konnte nach einigen Tagen im Tierspital wieder mit nach Hause.

Dieser Zufallsbefund hatte ihr das Leben gerettet. Meine Erleichterung war grenzenlos und ich dachte, nun sei alles gut.

Noch selten habe ich so gründlich geirrt: Es wurde im Gegenteil alles noch viel schlimmer.

Die kleine Patientin 3 Tage nach der Lungen-OP.

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Warum Mathilde bald darauf in der Notaufnahme des Tierspitals landete, lesen Sie hier.