Frühmorgens, vor dem Kleiderschrank, da mental noch etwas zerzaust, umso konzentrierter, die erste schwierige Frage des Tages zu klären: Was soll man anziehen? Da – ZACK – haut einem jemand mit der Tatze auf den Kopf und kichert blöde. Kennen Sie das? Ich jedenfalls entging so manchem Herzinfarkt nur knapp, als mein Kater Omar jünger war, gern auf Schränken sass und es sehr erheiternd fand, mich zu erschrecken.

Katzen sind ja ausgesprochen humorvoll. Und seit ich fünf von diesen Ulknudeln habe, werde ich praktisch non-stop veräppelt.

So ist meine Zwergkatze Lucie zuständig für den allabendlichen Running Gag: Wenn ich müde und vollgepackt mit Einkaufstaschen von der Arbeit heimkomme, flitzt etwas kleines, braun Getigertes zwischen meinen Füssen durch ins Treppenhaus, wo es sich dann zirka in zwei Meter Entfernung hinsetzt und guckt, als würde es sagen: «Ätschbätsch – fang mich doch, fang mich doch, pllllllffff!»
Ich: «Och, Lucie, komm rein.»
Lucie: «Naa-naa-na-na-naa-naaaa, fang mich doch!»
Ich stelle also alle Tüten ab und gehe auf sie zu. Sie duckt sich kämpferisch und wackelt gefährlich mit dem Hintern. Ich hebe sie hoch und trage sie in die Wohnung.

Kaum habe ich sie abgesetzt, rast sie zur Balkontür, klatscht sich in voller Körperlänge an die Scheibe und rutscht mit ausgefahrenen Krallen daran entlang. Akustisch ist das ähnlich wohltuend wie das Geräusch von Fingernägeln, die über eine Wandtafel kratzen. Wenn ich sie dann raus lasse, macht sie dasselbe auf der anderen Seite der Scheibe. Dabei setzt sie diesen schockgefrorenen Blick auf, als hätte ihr gerade jemand in voller Absicht auf den Schwanz getreten. Kurz bevor den anderen vier Katzen und mir die Ohren abfallen, hält Lucie inne, um sich dann grölend auf dem Boden zu wälzen: Irrsinn in seiner niedlichsten Form.

Wobei - da geht noch was: Wenn ich jeweils gerade grosse Wäsche gemacht und alle Kleider fein säuberlich von Katzenhaaren und Fusseln befreit, gebügelt und schrankfertig gefaltet habe, hüpft Scherzkeks Mathilde gern aufs Bügelbrett, fegt mit ihrem Hinterteil den einen Wäschestapel zu Boden, während ihr Vorderteil damit beschäftigt ist, den zweiten Stapel aufzufressen. Während ich einen Pulloverärmel aus ihrem zahnlosen Mäulchen befreie, strahlt sie mich an als wollte sie sagen: «Daf macht Fpaff, nicht?»

Umso mehr weiss ich es zu schätzen, wenn die Katzen sich für ihre Spassattacken zur Abwechslung mal andere Opfer suchen: Seit dem inzwischen 20-jährigen Omar Schränke zu hoch wurden, geruht er sich abends gern unter eine Decke zu betten, die über einen Sessel im Wohnzimmer ausgebreitet liegt. Wenn jeweils eine liebe Bekannte mit ihrem kleinen Hund zu Besuch kommt, hat Katze Shakti ihren grossen Auftritt: Sie «spielt» gern mit dem Hündchen, indem sie es so lange um Omars Sessel scheucht, bis es in seiner Not draufspringt – Kater und Hund: QUIEK! Ich weiss nicht, ob Ihre Katzen grinsen können – Shakti kanns.

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