Plötzlich macht es «pluppelup» - und der Staubsauger gibt nur noch ein asthmatisches Röcheln von sich. Na toll: Frühlingsputz steht an, und als Erstes steigt der Staubsauger aus. Nachdem ich das Gerät seziert habe, entdecke ich, dass es sich an einer seit langem vermissten Schachfigur verschluckt hatte. Tadelnd blicke ich zu Shakti, der Schachspielerin unter meinen fünf Katzen. Sie legt den Kopf leicht schief, als wolle sie sagen: «Das ist längst nicht alles, such mal weiter.» Passt ja, so kurz vor Ostern.

Ich habe keine Ahnung, wer den Brauch erfunden hat, an Ostern Eier und anderen Kleinkram zu verstecken, doch eins ist sicher: Diese Person hatte keine Katzen. Ebenso wenig wie jener Mensch, der den Spruch «wer sucht, der findet» in die Welt gesetzt hat. Wer Katzen hat, sucht sowieso die ganze Zeit, doch er findet selten – all die kleinen Dinge, die von den Katzen irgendwann als Spielzeug entdeckt und freudvoll in ein Paralleluniversum gekickt wurden. Zum Beispiel der wirklich teure Kugelschreiber: zu Weihnachten bekommen, an Silvester spurlos verschwunden, kurz vor Ostern in einem Turnschuh wiedergeboren.

Die breit angelegte Reinlichkeitsoffensive brachte unverhofft noch weit mehr Verlorengeglaubtes zum Vorschein: Allein hinter meinen diversen Schränken fanden sich fünf Stifte, drei Knöpfe, zwei kleine Christbaumkugeln und ein wertvoller Ohrring. Eine Armbanduhr und eine CD hatte ein findiges Wesen zwischen den Büchern versteckt, und hinter der Waschmaschine im Bad hatten sich zwei weitere Schachfiguren, ein Lippenstift und ein Armreif angesammelt.

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Doch das wertvollste Schmuckstück fand ich, als ich staubwischend unter meinen Schreibtisch kroch: Da sass eine kleine, dicke, braungetigerte Katze. Die hatte ich auch schon überall gesucht.


Das ist LouLou. Die 17-jährige Katzenrentnerin zog hier Ende Januar notfallmässig ein. Und ward seither nicht mehr gesehen. Ich hörte sie nur ab und zu fauchen, wenn eine der anderen Katzen ihr zu nahe kam. So konnte ich jeweils zumindest ungefähr lokalisieren, wohin ich ihren Futternapf stellen musste. Da jedoch erfahrungsgemäss spätestens beim nächsten Fühlingsputz fast alles wieder auftaucht, was Katzen irgendwo versteckt haben - inklusive sie selber -, blieb ich zuversichtlich, dass auch LouLou irgendwann ganz von selbst wieder an die Oberfläche findet.

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Und tatsächlich: Seit einigen Tagen wohnt sie nun nicht mehr unter, sondern auf dem Schreibtisch. Grundsätzlich begrüsse ich diese Entwicklung sehr und es stört mich auch kein bisschen, dass ich mir nun notgedrungen einen Laptop anschaffen musste, zumal es LouLou jeweils radikal an Verständnis mangelte, wenn ich versuchte, die Tastatur meines Schreibtisch-PCs unter ihrem Bauch hervorzuziehen.

Ich geniesse es wirklich sehr, wenigstens für ein paar Tage in einer blitzblank geputzten Wohnung all meine Besitztümer wieder überschauen zu können. Darum bin ich dankbar, dass ich seit ein paar Jahren nicht mehr an den Osterhasen glaube – denn ich weiss nicht, wie gut ich es verkraften würde, wenn ich davon ausgehen müsste, dass Anfang April ein weiteres pelziges Kleintier vor der Tür steht und glaubt, hier irgendwas verstecken zu müssen.

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Katzen verfügen ja über einen ausgeprägten Sinn für Humor. Leider. mehr

Es kam inzwischen noch die Frage auf, warum Katzen eigentlich so gern auf Tastaturen liegen. Weiss dazu irgendjemand was?