Katzen prägen die Weltsicht ihres Halters ja sehr aktiv – und nachhaltig. So finde ich es noch immer völlig normal, dass mein Kater Sahib…

 

  • mich morgens aus dem Schlaf reisst, indem er mir seine Krallen in den Arm hackt,
  • mir morgens beim Füttern erstmal herzhaft in die Fersen beisst,
  • mir immer, wenn ich Sudokus löse oder Zeitung lese, das Papier aus den Händen reisst und dann die Ecken abkaut,
  • immer wegrennt, wenn ich ihn streicheln will,
  • immer, wenn ich wirklich keine Zeit habe, ihn zu streicheln, unbedingt schmusen will,
  • mich ins Krankenhaus beisst, wenn ich versuche sein Fell zu bürsten,
  • in einen ollen Gartenzwerg verknallt ist, den liebe Freunde mir vor Jahren im Scherz zum Geburtstag auf den Balkon gestellt haben,
  • nachts glaubt, mein Kopfkissen dringender zu brauchen als ich,
  • für Crevetten alles tun würde – ausser eine der oben genannten Eigenarten abzulegen.


Typisch Sahib ist auch, dass er am liebsten bei Schnee und Regen auf den Balkon hinaus will. So war es auch am Tag seines Todes als er kaum noch laufen konnte und es in Strömen goss. Aber er wollte unbedingt da raus. Also bin ich den halben Tag mit Handtuch und Schirm hinter ihm hergetrottet. Dann kam der Tierarzt.

Sahib durfte katzenbiblische 21 Jahre alt werden. Am Abend des 8. Oktober 2009 ist er für immer eingeschlafen.

Seither eiert meine kleine Welt ein bisschen. Ich finde es seltsam, jetzt Zeitungen ohne Gerangel lesen zu können. Es ist seltsam, nachts nicht mehr ums Kopfkissen streiten zu müssen. Und es ist seltsam, morgens nicht mehr wachgepikst zu werden. Besonders seltsam aber ist, dass ich den ollen Gartenzwerg jetzt endlich entsorgen könnte, es aber nicht über mich bringe.

Sahib fehlt.

Tipps: Abschied vom kleinen Freund

Als es mit Kater Sahib zu Ende ging, hatte mein Tierarzt keine Zeit, um ihn bei uns zu Hause zu erlösen. Ich wollte Sahib aber nicht mehr in eine Praxis verfrachten – das hatte er noch nie gemocht und es sollte nicht das Letzte sein, was ihm in Erinnerung bleibt. Also musste ich herumtelefonieren, um einen Tierarzt aufzutreiben, der Hausbesuche macht. Ich muss allerdings zugeben, dass ich schlecht vorbereitet war – ich habe mich mit all dem erst auseinandergesetzt, als es unumgänglich war. Ersparen Sie sich solchen zusätzlichen Stress:

 

  • Klären Sie frühzeitig mit Ihrem Tierarzt, ob er zu Ihnen nach Hause kommt, wenn es so weit ist – andernfalls kümmern Sie sich rechtzeitig um Alternativen: Anfragen beim Schweizer Tierschutz STS und der Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte ergaben, dass eine regional sortierte Liste von Tierärzten, die Hausbesuche machen, sehr wünschenswert wäre, aber leider nicht existiert. Auf der Website www.vet-look.ch findet man aber immerhin Tierarztpraxen in der eigenen Region, die man anfragen kann.
     
  • Als Tierhalter hat man unter Umständen Hemmungen, im richtigen Moment die richtige Entscheidung zu treffen: Mit jemandem zu vereinbaren, dass am Tag X um X Uhr das geliebte Haustier stirbt, fällt nicht jedem leicht. Aber als Tierhalter hat man auch Verantwortung: Wenn es soweit ist – stellen Sie das Wohl des Tieres über Ihren Abschiedsschmerz.
     
  • Überlegen Sie sich, wie Sie den Abschied gestalten wollen, was Ihnen wichtig ist. Vielleicht denken Sie sich kleine Rituale aus – davor, während und danach. So können Sie verhindern, dass Sie später das Gefühl haben, etwas Unwiederbringliches versäumt zu haben.
     
  • Fragen Sie den Tierarzt, wie der Ablauf sein wird und lassen Sie sich alles gut erklären – denn es kann passieren, dass das Tier nicht «einfach» einschläft. Sorgen Sie dafür, dass es für Sie (und natürlich das Tier) kein traumatischer Moment wird.
     
  • Falls Sie Kinder haben: Es ist kein schöner Moment, wenn das Leben aus dem kleinen Tierkörper weicht – vielleicht wollen Sie Ihren Kindern diesen Anblick lieber ersparen.
     
  • Machen Sie sich frühzeitig Gedanken, was mit Ihrem verstorbenen Liebling geschehen soll. 
     
  • Lassen Sie Ihre Trauer zu, verdrängen Sie diese Gefühle nicht. Es kann allenfalls helfen, sich in einem Internetforum mit anderen Tierhaltern auszutauschen. In der Regel verstehen Tierhalter am besten, was Tierhalter in einer solchen Situation umtreibt.
     
  • Behalten Sie Ihren kleinen Freund in bester Erinnerung. Auf Ihre Weise.

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