Ihr Freund kann natürlich denken, was er will, aber Sie brauchen sich ja «den Schuh nicht anzuziehen». Es ist Ihre Entscheidung, ob Sie sich selbst als Massstab für Ihr Erleben und Verhalten nehmen wollen oder andere als Bewertungsinstanz einsetzen. Um sich abzugrenzen, brauchen Sie lediglich zu sagen: «Ich teile deine Meinung nicht! Ich halte mich selber für eine liebesfähige Person, die sowohl Tiere als auch Menschen gern hat!»

Natürlich gibt es auch eine neurotische Tierliebe. Es ist tatsächlich möglich, dass jemand im Sozialbereich so ungeschickt reagiert, dass er aneckt, Verletzungen erfährt, Hemmungen entwickelt und sich schliesslich von zwischenmenschlichen Kontakten zurückzieht. Um nicht gänzlich zu vereinsamen, verkriecht er sich in die Beziehung zu einer Katze oder einem Hund. Aber selbst diesen Weg sollte man nicht verurteilen, denn vielleicht ist er die Rettung vor einer schweren psychischen Störung. Es gehört nämlich zum Menschsein, Liebe zu geben und zu empfangen. Das kann man in der Beziehung zu jedem Lebewesen erfahren. Dass Tierliebe etwas Natürliches ist, zeigt sich auch daran, dass sich die meisten Kinder zu Tieren hingezogen fühlen und gern eins besässen. In der Regel unterschätzen sie allerdings den Betreuungsaufwand. Tierhaltung bedeutet auch, Verantwortung für ein schwächeres Wesen zu übernehmen.

Die Liebe zum Tier ist aber nur die eine Seite der Medaille: Oft werden Tiere in unserer Kultur auch als Symbole für das Böse verwendet. Der böse Wolf im Märchen, die Schlange in der Bibel, der weisse Hai im Film. Wahrscheinlich hängt das damit zusammen, dass das Animalische dem Christentum eher suspekt war. Der Teufel hat nicht umsonst Hörner und einen Bocksfuss.

Sexualität und Aggression, die auch beim Menschen eine grosse Rolle spielen, wurden mit dieser Schwarzweissmalerei in den Schattenbereich verdrängt, brechen allerdings von dort her immer wieder durch. Es besteht kein Zweifel, dass in der menschlichen Seele immer noch ererbte Erlebens- und Verhaltensreste unserer tierischen Vorfahren wirksam sind. Wenn wir dies anerkennen, verlieren sie jedoch ihre Gefährlichkeit, und unsere Menschlichkeit wächst. Das Tierische in uns ist jedoch nicht nur gefährlich, sondern repräsentiert auch Vitalität und Lebensfreude. Schon die Ausstrahlung von Tieren kann ansteckend sein und uns immer wieder zeigen, dass das Leben an sich – ohne tieferen oder höheren Sinn – lebenswert ist und ein Geschenk. Zudem aktiviert uns zum Beispiel «der beste Freund des Menschen», der Hund, auch ganz konkret, weil er regelmässig ausgeführt werden will. Er hilft uns so, etwas für unseren Körper und unsere Gesundheit zu tun.

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