Pro: Von Julia Hofer, Redaktionsleiterin

«Bello» für den Hund, «Schnurrli» für die Katze – so hiessen die Haustiere im Dorf meiner Kindheit. Das ist einleuchtend, aber auch ziemlich langweilig. Der Bauernsohn, der es wagte, seine Katze «Fiat 2000» zu taufen, hatte meine Bewunderung deshalb auf sicher. Ich empfand den Namen als Geistesblitz in der ansonsten ironiefreien Welt der Tiernamensgebung. Und listete fortan in einem Carnet möglichst originelle Namen auf, auf die ich später einmal Tiere taufen wollte. Als dann zwei Molche zu meinem Kleintierzoo stiessen, musste ich nur noch das Heft aufschlagen. Die beiden hörten künftig auf die Namen «Afghanistan» und «Konstantinopel».

Herr und Frau Schweizer halten nicht viel von solch kreativer Namensgebung; gemäss den Top Five der Tiernamen gehören in der Deutschschweiz «Sina», «Gina», «Leo», «Felix» und «Max» zu den beliebtesten Namen für Hunde und Katzen. In vielen Haushalten sind Haustiere offenbar so selbstverständliche Familienmitglieder, dass die Vermenschlichung schon bei der Namensgebung beginnt. Da scheint es mir direkt angebracht, mit ein bisschen Humor wieder etwas Distanz zu unseren geliebten Kläffern und Miezen zu schaffen. Als wir einen Namen für unsere Katze suchten, schlug ich vor, sie «Bello» zu taufen – durchgesetzt hat sich schliesslich das für einen Dreifärber erwartbare «Fläckli». Nun, mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt. Aber ein «Bello», der miauend um die Ecke schleicht, hätte mich tagtäglich erheitert – und dadurch bestimmt keinen Schaden genommen.

Kontra: Von Esther Geisser, Tierpsychologin

Ist ein ausgefallener Name aufmunternd, liebevoll und lustig gemeint, ist das kein Problem. «Rambo» für einen kränkelnden Kater kann durchaus mit der Hoffnung verknüpft sein, dass er noch in diese Rolle reinwächst. Aber Namen wie «Schinkli» für ein Schwein oder «Nugget» für ein Huhn reduzieren das Tier auf das, was es in den Augen vieler ist: ein Konsumprodukt ohne Würde.

Auch wenn es kürzlich ein NZZ-Journalist als «unvorsichtig» bezeichnete, dass der Gesetzgeber die Würde des Tieres zur Verfassungsnorm erhoben hat, ist sie doch unbedingt zu beachten. Dass in dieser Hinsicht in der Schweiz noch Nachholbedarf besteht, zeigte unter anderem letzten Herbst der erschütternde Report der Organisation Tier im Fokus über das Leid der Mastschweine.

Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie auf eine Funktion oder Wahrnehmung reduziert und entsprechend genannt würden? «Putze», «Geldbeutel», «Störenfried»? Wie viel schöner ist es, beim Namen oder einem Kosenamen gerufen zu werden, der Persönlichkeit, Gefühl und Würde erfasst.

Viele Tiere lernen schnell, auf ihren Namen zu hören. Dieser sollte ihren Bedürfnissen entsprechen – zum Beispiel bevorzugen Schweine dreisilbige, Hunde und Katzen zweisilbige Namen – und positiv mit dem Tier verknüpft sein. Ferner haben Tiere ein feines Gespür für Lautäusserungen des Menschen. Sie verstehen, ob ihr Name mit freudigem oder gehässigem Unterton gerufen wird. So wohl auch das Patenschwein unseres Tierarztes; dieser hat ihm den schönen, dreisilbigen Namen der Schwiegermutter gegeben.