Macht Ihr Vorgesetzter Sie manchmal aggressiv - etwa wenn er «den Chef heraushängt»? Bei den Hunden ists genau umgekehrt: Sie werden dann knurrig, wenn ein strenges Oberhaupt fehlt. Ein Hund betrachtet die Familie, in der er lebt, als sein Rudel. Fehlt dort ein dominanter Rudelführer, übernimmt er selbst diese Rolle - und wird angriffsbereit. Des Menschen bester Freund braucht also eine feste Hand. Doch Hundeerziehung will gelernt sein, weshalb Tierhalter in der Schweiz künftig darauf ausgerichtete obligatorische Kurse besuchen müssen.
Nach der tödlichen Hundeattacke auf den sechsjährigen Süleyman im Dezember 2005 setzte sich bei Bundesrat und Parlament die Erkenntnis durch, dass eine bessere Erziehung der Vierbeiner Konflikte verhindern kann. Auf den 1. September 2008 tritt nun gesamtschweizerisch die neue Tierschutzverordnung in Kraft. Sie sieht eine Ausbildungspflicht für Hundehalter vor. Konkret bedeutet dies:

  • Wer nach diesem Datum einen Hund kauft - egal welche Rasse oder Grösse -, muss innerhalb der nächsten zwei Jahre zweimal in den «Unterricht». Der erste Kurs dauert ein bis zwei Theorieabende. Der zweite enthält ein praktisches Training zusammen mit dem Vierbeiner und umfasst fünf Übungseinheiten. Dabei lernen die Halter die Bedürfnisse und das Verhalten ihres pelzigen Lieblings kennen - und sie üben, wie er in verschiedenen Situationen unter Kontrolle gehalten werden kann.
  • Wer heute bereits einen Hund hat, muss den Kurs und das Training erst bei der Anschaffung eines weiteren absolvieren.

Das gilt ab 1. September 2010

Nach Ablauf der zweijährigen Übergangsfrist bis 31. August 2010 verlangt die Verordnung, dass sich Hundefreunde bereits vor der Anschaffung eines Vierbeiners genauestens über das Tier informieren:

  • Zukünftige Hundebesitzer müssen vor dem Kauf einen obligatorischen Theoriekurs besuchen, um die Grundbedürfnisse des Tieres kennenzulernen. Besonders geschult wird dabei die artgerechte Erziehung und die Haltung des Hundes, insbesondere im Hinblick auf eine Gefährdung Dritter. So will der Staat potentielle Käufer schon vor dem Kauf mit der Tatsache konfrontieren, dass das Halten eines Hundes, seine Erziehung und Pflege vom Besitzer für die nächsten 10 bis 15 Jahre ein grosses Engagement verlangt.
  • Ist dieser Theorieteil absolviert und der Hund gekauft, sind Tierhalter verpflichtet, innerhalb eines Jahres mit ihrem neuen Vierbeiner ein Training zu besuchen. Dieses bringt nicht nur Halter und Hund etwas, sondern ermöglicht auch die Kontrolle darüber, ob ein Besitzer sein Tier im Griff hat. Falls nicht, kann das kantonale Veterinäramt Hundebesitzer zu weiteren Schulungen verpflichten oder ihnen im Extremfall das Tier sogar wegnehmen.

Die Kurse - die übrigens ohne Prüfung am Ende auskommen - werden derzeit noch nicht angeboten: Für den Aufbau braucht es noch etwas Zeit, weil das Bundesamt für Veterinärwesen nur anerkannte Ausbildnerinnen und Ausbildner zulassen wird (siehe nachfolgende Box «Training im Aufbau»). Deshalb wurde die erwähnte zweijährige Übergangsfrist gesetzt. Eile ist nicht angesagt, da neue Hundebesitzer die obligatorischen Kurse ja erst bis Ende August 2010 absolviert haben müssen.

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Training im Aufbau: So wird man anerkannter Hundeausbildner

Es gibt in unzähligen Vereinen und Organisationen engagierte Leute, die bereits bis anhin Hundeerziehungskurse durchgeführt haben und sich jetzt für die Schulungsleitung der obligatorischen Kurse profilieren möchten. Der Staat ist auf diese Leute denn auch angewiesen und will das Angebot in drei Schritten aufbauen:

  • Zuerst werden die Organisationen bestimmt, die Hundetrainer schulen dürfen. Nach dem 1. September 2008 können interessierte Verbände oder Vereine beim Bundesamt für Veterinärwesen elektronisch Bewerbungsdossiers einreichen (siehe «Weitere Infos»). Nach der Zertifizierung werden die Adressen laufend im Internet publiziert.
  • Interessierte mit mindestens dreijähriger Erfahrung mit Hunden haben dann die Möglichkeit, bei einer zertifizierten Organisation die verlangte Schulung zu besuchen.
  • Der Abschluss der Ausbildung berechtigt die ausgebildeten Hundetrainer, die obligatorischen Kurse selbständig anzubieten.

Hundetrainer, die bereits Schulungen bei kynologischen Organisationen besucht haben, können diese unter Umständen rückwirkend anerkennen lassen.

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Weitere Infos

Das Bundesamt für Veterinärwesen bietet im Internet diverse Informationen zum Herunterladen:

  • Merkblatt «Fragen zur neuen obligatorischen Hundeausbildung?»
  • Broschüre «Hunde richtig halten»
  • Merkblatt «Sie möchten die obligatorischen Hundekurse anbieten?»