Aus dem Kassettenrekorder summt eine Panflöte «El condor pasa». Dani und Regula, ein junges Paar, hängen sich gegenseitig ein farbiges A4-Blatt an den Rücken, befestigt an einer Schnur um den Hals. Und schreiben jeweils dem anderen Stichworte aufs Papier: was sie aneinander mögen – und was nicht. Pfarrer Jaroslaw Duda – strohblondes Haar, rosa Gesichtsfarbe, legere Kleidung – steht diskret abseits, die Arme vor dem Bauch verschränkt. Bis er die beiden lobt: «Super. Gut gemacht.» Das Lied wechselt. Nun flötet «Besame mucho» durch die Studierstube des katholischen Pfarrers, eine Harfe zirpt begleitend. Das Ganze erinnert ein bisschen an einen Kindergeburtstag.

Doch Dani und Regula sind keine Kinder mehr. Sie sind erwachsen und werden im Juni heiraten. Vorgängig – und dann wieder jedes Jahr – müssen sie zu Pfarrer Duda in den «Service», wie er das nennt. Er ist der wohl einzige Pfarrer der Schweiz, der eine Garantie auf eine beständige Ehe gibt. 15 Jahre verspricht er. «Eine gute Garantie», findet er. Damit es auch wirklich klappt, gilt als Bedingung: einmal jährlich «Service»-Gespräch im Pfarramt.

«Happy, wenn es den Leuten gutgeht»

Duda stammt aus Polen, aus Lodz. «Wie im Schlager ‹Theo, wir fahrn nach Lodz›.» Er selber gebraucht als Berufsbezeichnung den altmodisch schönen Ausdruck «Seelsorger». Doch nicht nur die Seelen wollen gehegt sein. Nicht nur metaphysische Wärme zählt, auch die reale Welt der Physik, dort, wo gelebt und gestritten wird. Jaroslaw Duda hat schon einige Ehen zerbrechen sehen. «Das tut weh.» Und als pragmatischer Katholik weiss er: Die Mühen des Alltags, die Routine sind für Eheleute ebenso heimtückisch wie der Teufel. Oder, wie Bertolt Brecht es gesagt hat, sinngemäss: Die Berge haben wir erklommen, nun kommen die Mühen der Ebene.

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Vor zwei Jahren kam Pfarrer Duda die Idee mit der Ehegarantie. Er möchte die Paare begleiten auf ihrem Gang durch diese Ebene, sie vor dem Verirren bewahren. «Ich bin happy, wenn es den Leuten gutgeht.» Doch woher nimmt ein Pfarrer, der im Zölibat lebt, das Selbstbewusstsein, Eheleuten Tipps zu geben? Duda hat die Frage erwartet: «Muss ein Krebsarzt denn selber Krebs gehabt haben?», kontert er. Und der Vatikan kann weiss Gott gute Presse gebrauchen.

Nach einer Stunde ist für Dani und Regula der «Service» vorbei. Duda bittet das Paar, sich einen Abend pro Woche fix füreinander zu reservieren. Das birgt Probleme, junge Leute haben volle Terminkalender. Ob man nicht mal so, mal anders könne, fragt Regula. Der Pfarrer insistiert. Man einigt sich auf den Mittwoch. In einem Jahr, beim zweiten «Service», wird man ja sehen, ob das mit dem Mittwoch geklappt hat. Oder ob ein Feintuning nötig ist.

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