Heute können Wasana und Remo Frei über ihren Heiratsstress lachen: «Unser Hochzeitstag war alles andere als romantisch. Wir mussten herumrennen, weil die Übersetzung eines Dokuments fehlte.» Die Thailänderin und der Schweizer heirateten vergangenen Sommer in Bangkok – eines von rund 300 thailändisch-schweizerischen Paaren, die sich jedes Jahr das Jawort in Südostasien geben.

Das Heiraten im Ausland liegt im Trend. Toni Siegenthaler vom Amt für Migration und Personenstand des Kantons Bern schätzt, dass jede zehnte Eheschliessung ins Ausland verlegt wird. Einer der Hauptgründe: In der Schweiz muss die Trauung von Gesetzes wegen in einem amtlichen Trauungslokal stattfinden – und das ist meist weniger romantisch als ein Treueschwur in einer prunkvollen Hochzeitskapelle in Las Vegas, an einem Palmenstrand in der Karibik oder in einem Schloss im schottischen Hochland.

Das Heiraten im Ausland sei allerdings «keineswegs einfacher als hierzulande», betont Siegenthaler, denn die Ehe müsse in der Schweiz anerkannt werden.

«Hier schauen sie einen schräg an»
Allein der für die Anerkennung nötige Papierkrieg kann ein hürdenreicher Weg sein: Die Frischvermählten müssen der zuständigen Schweizer Vertretung im Ausland den Eheschein und je nach Land noch weitere Dokumente vorlegen. Ist der Eheschein nicht in einer Schweizer Amtssprache verfasst, veranlasst die Schweizer Vertretung eine Übersetzung – auf Kosten des Brautpaars. Schliesslich braucht es – je nach Heiratsland – eine Bestätigung der Schweizer Vertretung, dass der Eheschein echt ist und die Ehe vor der zuständigen Behörde geschlossen wurde.

Als Wasana dem Heiratsantrag von Remo Frei zugestimmt hatte, standen beide vor der Frage, ob sie in der Schweiz oder in Thailand heiraten sollten. Frei entschied sich für die Heimat seiner Frau, «weil die hiesigen Behörden einen schräg anschauen, wenn man eine Thailänderin heiraten will, und einem nicht helfen wollen».

«Das Ganze ist ein Papierkrieg»
Da Frei keine Zeit hatte, sich über die Formalitäten zu informieren und um die Hochzeitsvorbereitungen zu kümmern, beauftragte er ein spezialisiertes Büro in Bangkok. Dieses informierte ihn, welche Papiere er für die Schweizer Botschaft in Bangkok und das thailändische Standesamt beschaffen musste. Zudem organisierte das Büro alles – vom Termin auf dem Standesamt bis hin zum Taxi. Nur punkto Übersetzung eines Dokuments war die Information des Büros ungenau – weshalb es zuletzt zum grossen Zittern kam.

Nach einem Hin und Her erhielten die Eheleute schliesslich von der Schweizer Botschaft das nötige Zertifikat. Auf dem Standesamt lief dann alles speditiv ab – innert 15 Minuten waren sie verheiratet. Remo Frei flog noch in der gleichen Nacht zurück in die Schweiz. Für Gattin Wasana hingegen begann eine neue Geduldsprobe: Elf Wochen lang musste sie auf ihr Einreisevisum für die Schweiz warten. «Das Ganze ist ein grosser Papierkrieg und braucht viel Zeit und Nerven», fasst Frei rückblickend zusammen.

Immerhin, für all jene, die in Europa heiraten wollen, gibts einen kleinen Lichtblick: Hier wird nämlich über eine Harmonisierung der Gesetzesbestimmungen diskutiert.