Kinder herausgeputzt, Krawatte ­geknotet, Lippenstift aufgetragen, Auto poliert. Es kann losgehen. Luca und Yolanda, unsere italienischen Freunde, ­heiraten in der Kirche Feusisberg. Das ist ­irgendwo in der Pampa, in Wollerau am ­Zürichsee, hat man uns gesagt. So programmiere ich den Navigator. Die beste aller ­Ehefrauen mahnt zur Eile, denn man könne nie wissen mit diesen Dingern. Ich aber vertraue der Technik und fahre los – gelassen, souverän, ganz Mann.

«Nach 100 Metern sind Sie am Ziel», informiert uns der Automat, als wir Wollerau erreichen. Sag ichs doch. Ein Hoch auf die Technik! Krawatte gerichtet, Lippenrouge nach­­gezogen, dann die Treppe hoch zur Kirche Feusisberg.

Alles wunderbar, heitere Helle, medi­terrane Frauen in aufregenden Farben und schmeichelhaften Stoffen stöckeln auf und ab wie an einer Modeschau, goldverzierte Sonnenbrillen im Haar. Junge Männer ­lehnen lässig an der Balustrade, elegant und sonnenbebrillt. Eine richtige italienische Hochzeit mit richtigem italienischem Volk.

Wir kennen keine Seele. So begibt sich meine Frau zur Modeschau, ich zücke die Sonnenbrille und lehne lässig an die Balustrade. Glockengebimmel, die Gäste strömen zum Portal. Da fällt den Kindern etwas auf: «Schau mal da!» Ein Blütenornament ist ­unter dem Vordach ausgelegt, ein Herz mit Initialen. Der Älteste stutzt: «Warum steht da M und P?» – «Komm jetzt, wir müssen rein.» – «Aber warum M und P?» – «Egal, hopp, hopp! – Was sagst du?» Adrenalin. Die Krawatte drückt. Schweissperlen auf den Brillengläsern.

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Dann muss ich das Peinlichste tun, was man sich an einer Hochzeit vorstellen kann. Ich frage einen Paradiesvogel: «Scusa, ma: Wie heissen die Brautleute?» – «Maria und Paolo», sagt die Bellezza. Warum rauscht es in meinen Ohren, woher kommt der Nebel? «Das ist doch die Kirche Feusisberg?», ­flüstere ich bang. «Nein», zwitschert der ­Paradiesvogel, «Wollerau.»

Vorbei der Sonnenschein, ein Ehe­gewitter zieht auf. Die beste aller Ehefrauen stemmt sich wortlos gegen den Gästestrom, die Kinder im Schlepptau. Die Treppe ­hinuntergespurtet, ins Auto gehechtet. Sie steuert los, den Wegweisern nach, ziel­gerichtet, souverän – ganz Frau. Und ich Technikgläubiger drücke mich in den Beifahrersitz und versuche stumm, wenigstens vor mir selber das Gesicht zu wahren. Wer kann denn wissen, dass Feusisberg ein vollwertiger Vorort von Wollerau mit eigener Kirche ist? Wir schleichen hinein, atemlos. Yolanda haucht «Ja», Luca nimmt sie in den Arm. Frauen inStöckelschuhen und ­Männer mit Sonnenbrillen jubeln.

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Zur Versöhnung will meine Frau für ­den Rückweg den Navigator aktivieren. Ich halte sie zurück. Diesen verdammten Dingern ­habe ich schon immer misstraut.