Die Boulevardpostille ist zwar in Deutschland zu Hause, aber sie ist «genau wie eine engagierte, warmherzige, zuverlässige, zupackende und vor allem wahrhaftige Frau aus dem Leben» («Bild der Frau» über «Bild der Frau»). Mann tut also gut daran, dieser unser aller Über-Frau hin und wieder den Puls zu fühlen – und der dreht aktuell ziemlich im roten Bereich. Auslöser ist eine Umfrage unter 500 Frauen: «Was stört Sie an Ihrem Mann?» Das Urteil fällt – man muss es sagen – vernichtend aus. Man könnte es auf folgenden Nenner bringen: Der Mann isst kein Gammelfleisch, er ist Gammelfleisch.

So findet jede Fünfte, ihr Mann bemühe sich zu wenig um ihre Beziehung, sei für nichts zu begeistern und lasse sich gehen, körperlich wie emotional. Er lebe quasi nach dem Prinzip: Eine Frau habe ich erobert, die Traumfrau abgeschrieben, also sehe ich keinen Grund mehr, mich weiter zu engagieren. Konkret monieren 22 Prozent der befragten Frauen, dass ihr Mann am liebsten nur vor dem Fernseher oder dem Computer sitzt. Ebenso viele mäkeln, dass er sie im Alltag nicht mehr überrascht. 13 Prozent ärgern sich über seine Unsportlichkeit und sein Übergewicht. Immerhin jede Zehnte ist gar der Meinung, ihr Mann trage seit Jahren die gleichen Klamotten und halte es mit dem Haareschneiden wie die Schafe: einmal im Jahr scheren, wenn es warm wird, muss reichen. Kein Wunder, beklagen sich im Gegenzug gerade mal sechs Prozent der Frauen über zu wenig Sex. Gammelfleisch wird nicht nur nicht gerne gegessen, man will auch sonst nicht damit in Berührung kommen, schon gar nicht an sensiblen Körperstellen.

Nun könnte es sich Mann leichtmachen und sagen, Frau rede mit gespaltener Zunge. Sie betone zwar gerne, wie sehr sie sich nach einem sensiblen und gepflegten Mann sehne. Insgeheim schlage ihr Herz aber wie eh und je für den ungehobelten Kerl mit Bluejeans, Sixpack, Karrenschmiere im Gesicht und – okay: Cola light in der Hand.

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Aber Phantasie und Realität sind eben zwei Paar Schuhe. Frau hat diese Lektion gelernt, Mann nicht. Während er in ältesten Calida-Schlüpfern vor der Glotze irgendwelchen Träumen, Typ Carla Bruni, nachhängt, versucht sie sich mit ihrem Leben an der Seite einer billigen Robbie-Williams-Kopie zu arrangieren – und das Beste aus ihrem Muffel herauszuholen: ein bisschen Frisur, ein wenig Deodorant, etwas mehr Begeisterung, mehr wollen sie ja nicht.

Ich finde das ehrenhaft – und habe mir jetzt zumindest mal eine neue Unterhose gekauft. Das tat ich nämlich, muss ich gestehen, letztmals vor fünf Jahren.