Muskelbepackte Oberarme, eine Tätowierung, ein halbes Dutzend Modell-Ferraris: Helmut Schmid, 47, ist ganz Mann. Aber auch ganz Hausmann: Der allein erziehende Vater ist bestens geübt in Kochen, Putzen, Waschen, Bügeln oder Aufgabenhilfe.

Als seine Frau vor sechs Jahren die Wohnung verliess, gab es für ihn keinen Zweifel, «dass ich meinen Sohn auch alleine grossziehen kann». Im Januar 1999 wurde die Ehe geschieden, er erhielt das Sorgerecht zugesprochen. Vor drei Jahren suchte die Mutter letztmals Kontakt. Der neunjährige Sohn Loris findet es «ganz okay», in einem Männerhaushalt zu leben. Probleme hatte er einzig, als ihn die Mädchen neckten, weil die Mutter weg war.

Widerstände musste auch sein Vater Helmut, gelernter Sanitärinstallateur, überwinden, sei es bei der Lehrerschaft, bei den Behörden – oder bei Frauen. «Du hast ja keine Zeit für mich», bekam er mehr als einmal zu hören. Anderseits ist er mit seiner Doppelrolle derart vertraut, dass er ablehnte, als eine Freundin ihre Hilfe anbot: «Das ist meine Wohnung, die putze ich selber.»

Heute können er und Loris auf die Unterstützung einer Tagesmutter zählen. Über Mittag und nach der Schule ist der Junge auf deren Bauernhof. Und manchmal auch, wenn der Vater notfallmässig ausrücken muss: Helmut Schmid gehört zu einem Spezialistenteam, das Brandplätze räumt und saniert. Vater und Sohn bezeichnen sich als «eingespieltes Team». Obwohl nicht nur Harmonie angesagt ist. Zuletzt gab es Streit, weil Loris gelogen hatte. Die Konsequenz: zwei Wochen TV-Verbot.

Natürlich müsse er sich einschränken, sagt Helmut Schmid, Ferien beispielsweise könnten sie sich keine leisten. Doch erstens übernehme die Gemeinde die Kosten für die Tagesmutter und «zweitens geht es anderen viel schlechter». Überdies erlaubt ihm sein Arbeitgeber, brandgeschädigte Möbel mitzunehmen. So kam er zu einem Salontisch und einem ganzen Schlafzimmer – «ist doch praktisch, oder?»-

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