«Familie und Beruf können wir ideal kombinieren, bei uns stimmt einfach alles. Wir haben Glück gehabt», sagen die diplomierten Marketingplaner Jennifer* (25) und Stefan Kappell* (32). Die Familie aus Wängi TG zählt drei Personen, doch in drei Wochen wird der anderthalbjährige Jérôme* ein Geschwisterchen erhalten.

Stefan Kappell ist Product Manager bei der Migros und arbeitet ganztags. Seine Frau hat eine 50-Prozent-Stelle im Anzeigenmarketing des Beobachters und kann zu Hause arbeiten. «Idealer gehts nicht», sagt sie.

Das Paar diskutierte auch andere Arbeit-Familie-Modelle – allerdings unter einer Voraussetzung: Beide wollten schnell Kinder. Jennifer Kappell: «Ich wollte nie eine alte Mutter sein.» Der gelernte Bäcker/Konditor und Koch Stefan Kappell hätte sich sehr wohl vorstellen können, im Haushalt tätig zu sein. «Er wäre der ideale Hausmann», sagt Jennifer. «Kochen habe ich schliesslich von ihm gelernt.» Zwei Teilzeitstellen hätten beide als möglichen Weg gesehen. Doch das scheiterte an der Realität. Stefan Kappell: «Bereits im mittleren Kader sind Teilzeitstellen höchst selten.»

Jennifer Kappell brachte Arbeit und Kinderbetreuung bisher gut unter einen Hut: Jérôme hat die ersten Stunden in der Krippe des benachbarten Dorfs verbracht. «Er soll nicht den Eindruck haben, dass er wegen des Brüderchens oder Schwesterchens in die Krippe gehen muss», erklären die Eltern. Nach dem Mutterschaftsurlaub werden beide Kinder zwei Tage pro Woche in der Krippe verbringen.

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Von der Qualität der Krippe haben sich die Eltern selbst überzeugt: «Die Betreuerinnen leisten kompetente Arbeit, die Kinder können nur profitieren.»

Für das Ehepaar Kappell ist «wichtig, dass die Kinder bei uns Liebe erfahren. Das ist das Entscheidende im Leben. Auch die Religion bedeutet uns viel. Wir sind beide katholisch. Wir wollen unseren Kindern Jesus als Vorbild näher bringen.» Diese Ziele kollidierten nicht mit der Realität in der Kinderkrippe. «Dort lernen unsere Kinder den Umgang mit Gleichaltrigen, sie lernen teilen, müssen sich behaupten.»

Erwartet das Ehepaar von der öffentlichen Hand mehr Einsatz für die Familie? «Gemeinden und Kanton müssen den Familien auf andere Art helfen als bisher. Kinderzulagen machen wenig Sinn», sagt Jennifer Kappell. Und ihr Mann ergänzt: «Statt Kinderzulagen zu verteilen, würde der Staat jungen Eltern besser mit Steuererleichterungen helfen.»

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* Namen geändert