Wussten Sie, dass Queen Elizabeth ein Faible für Popmusik hat? Anlässlich ihres goldenen Thronjubiläums gab es im Garten des Buckingham-Palasts ein Popkonzert, bei dem sie vor lauter Begeisterung mit den Füssen wippte - das Maximum an öffentlicher Gefühlsregung, das von ihr zu erwarten ist. Doch auch wenn Ihre Majestät kein blaues Blut hätte, sondern einfach Frau Windsor hiesse und eine ganz gewöhnliche Grossmutter wäre, hätte sie wohl Fassung bewahrt. Nicht etwa wegen ihres unterkühlten britischen Temperaments, sondern weil sie es als junges Mädchen so gelernt hat. Mehr als dezente Schwärmereien für einen Künstler lagen früher nicht drin, hüben wie drüben.

Leider erwidert der Star die Liebe nicht
Heutige Teenager werden hysterisch wegen Bands wie Tokio Hotel, verehren ihre Lieblinge so unkritisch und bedingungslos, dass sich viele Eltern Sorgen machen. Doch wie war das mit Elvis, den Beatles, den Bay City Rollers oder Boy George? Eben. Viele Eltern mögen es verdrängt haben, doch auch sie hatten ihren Star. Seit der Nachkriegszeit verehrt jede Generation dem Zeitgeist entsprechende Idole - rebellische, tragische, unbeschwerte oder halt gutaussehende.

Also: Auch wenn sich Teenager öfter im Ausnahmezustand befinden, Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen. Wie die Erfahrung zeigt, hat sich noch jeder hysterische Fan wieder eingekriegt und irgendwann realisiert, dass die Liebe zum Star und damit verbundene Hoffnungen nicht erfüllt werden: Lieben, ohne wiedergeliebt zu werden, macht auf Dauer nicht satt. Als Übungsfeld für die Realität taugt das Tagträumen aber sehr wohl. Unterstützt und angestachelt von anderen Fans, kann man ausprobieren, wie es sich anfühlt, wenn man vor lauter Sehnsucht fast zergeht und hemmungslos lieben darf. Zu Hause im Zimmer kann man dem Idol die geheimsten Gedanken oder Sorgen mitteilen und läuft niemals Gefahr, ausgelacht zu werden. Von diesem positiven Aspekt berichtet Diana im Beobachter-Erziehungsforum, die früher «absoluter Boy-George-Fan» war: «Wenn meine Tochter und ich streiten, was ja auch mal vorkommt, zieht sie sich in ihr Zimmer zurück und holt neue Kraft von ihren Idolen.»

Bloss: Weil das Idol in allem idealisiert wird, kann es eben auch sein, dass junge Fans beginnen, ihre eigenen Fähigkeiten herabzusetzen. Das Letzte, was Ihr Kind dann hören will, sind weise Erklärungen, dass auch Stars ihre Fehler hätten. Zuwendung, Bestätigung und Anerkennung helfen ihm in diesem Fall viel mehr. Problematisch wird es überdies, wenn das Idol wichtiger als Freunde, Familie und Schule wird. Verbote und Zurechtweisungen nützen da nichts. Um in die Wirklichkeit zurückzukommen, braucht das Kind dann jemanden, mit dem es streiten, über Probleme reden und sich begeistern kann. Und jemanden, der es in den Arm nimmt. Ganz real.

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