Toleranz im Sinne von Gleichgültigkeit wäre sicher falsch. Verständnis für die spezielle Situation des Jugendalters aber ist angebracht. Gleichzeitig ist aber Konsequenz nötig, was die Prinzipien in der Familie angeht.

Die Pubertät in westlichen Gesellschaften ist etwas Besonderes. In vielen nichtindustrialisierten Gesellschaften verlassen die Nachkommen die Familiengruppe, wenn sie geschlechtsreif sind. In unserer Kultur dagegen bleiben die körperlich erwachsenen Jugendlichen noch jahrelang abhängig, weil eine lange Ausbildungsphase die Regel ist. Das führt zu Spannungen und Problemen.

Eine Theorie erklärt denn auch die Aufmüpfigkeit im «Flegelalter» damit, dass die Streitereien eine psychische Distanz schaffen, die eben physisch durch das lange Verbleiben im Elternhaus nicht vorhanden sei.

Mehr als nur Hormone
Ursprünglich hielten Wissenschaftler die Pubertät für ein rein biologisches Phänomen. Durch die einsetzende Produktion der Geschlechtshormone würde die Aggressivität steigen und allgemein eine emotionale Instabilität entstehen. Ende der 1920er Jahre zeigten aber anthropologische Forschungen der Amerikanerin Margaret Mead (1901-1978) auf Samoa, dass es auch Kulturen gibt oder gab, bei denen der Übergang von der Kindheit ins Erwachsenenalter völlig problemlos, also ohne die typischen pubertären Querelen, erfolgt. Oft werden dort die Jungen mit Initiationsriten und einem Fest direkt in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen. Die Zwischenphase unserer Adoleszenten, die manchmal als Kinder behandelt werden, von denen aber plötzlich auch wieder die Reife eines Erwachsenen gefordert wird, gibt es dort nicht.

Umfragen haben gezeigt, dass sich bei uns weniger als 20 Prozent der 12- bis 17-Jährigen erwachsen fühlen, und auch bei den 18- bis 25-Jährigen sehen sich erst 40 Prozent als Erwachsene. Die Pubertät ist eine Zeit der Krise und der erhöhten seelischen Verletzlichkeit. Die körperlichen und psychischen Veränderungen vom Kind zum Erwachsenen müssen integriert werden. Die wichtigsten Entwicklungsaufgaben dieser Altersstufe sind neben der Integration der Sexualität das Finden einer eigenen Identität, die Entwicklung von mehr Selbständigkeit und Selbstdisziplin, die Ablösung von den Eltern und schliesslich auch, Anschluss zu finden und sich zu behaupten in der Kultur der Gleichaltrigen, in der Clique und unter Freunden.

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Eltern können ihre Kinder im Teenageralter gezielt unterstützen:

  • Zeigen Sie Verständnis dafür, dass das Jugendalter eine schwierige Phase ist.


  • Seien Sie sich bewusst, dass eine gewisse Distanzierung, Abgrenzung und Ablösung zwischen Eltern und Kindern jetzt nötig ist.
  • Reden und diskutieren Sie mit Ihrem Kind - und hören Sie auch zu. Lassen Sie die Jugendlichen spüren, dass Sie sie ernst nehmen.
  • Weichen Sie Auseinandersetzungen nicht aus, verstricken Sie sich aber nicht in Machtkämpfe um Bagatellen.