«Das Engadin ist ja eine relativ heile Welt. In meinem Umfeld gibt es keine mir bekannten Verbrechen. Ich weiss nicht genau, wieso mich das Thema Gewalt so ­fasziniert. Die Gewaltszenen in meinen drei Krimis entstammen meiner Phantasie oder sind grad im letzten auch beeinflusst vom schwedischen Krimiautor Stieg ­Larsson. Die Vergewaltigungsszene der Romanfigur Lisbeth Salander ist – abgewandelt – in meinem jüngsten Buch eine Schlüsselszene. Meine weibliche Haupt­figur Sabrina wird missbraucht und gerät danach in eine Krise, die sie zur Selbst­tötung führt.

Das Thema Jugenddepression ist sehr wichtig. Ein Schulfreund von mir hat sich umgebracht. Bis heute weiss ich nicht genau warum. Der innere Rückzug ist eine Art Selbstvergewaltigung und heute leider weit verbreitet. Ich glaube, die neuen sozialen Medien lassen den Einzelnen sehr vereinsamen. Was nützen mir 300 Freunde auf Facebook, wenn ich real keine habe?

Ich bin eher der Aussenseiter. In der Primarschule wurde ich gemobbt und auch schon mal auf dem Heimweg abgepasst. Das prägt. Man wird vorsichtig und schliesst nicht so leicht Kontakte. Allein fahre ich meist besser. Vielleicht kommt mein Durchhaltewillen daher – ich habe allein einen Verleger für meine Krimis ­gesucht und gefunden. Mit 13 habe ich angefangen zu schreiben. Wirklich an mich geglaubt habe nur ich allein.

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Momentan arbeite ich an meinem vierten Roman. Aber zuerst muss ich jetzt in die Rekrutenschule, dann fange ich mit dem Studium an. Mal schauen, wie viel Zeit dann noch zum Schreiben bleibt. Ich bleibe dran.»