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Kafi für dichEine Beiz für alle

Ein Ort, eine Frage: «Kafi für dich», Zürich: «Muss man Kinder unbedingt in die Stammkneipe schleppen?»

«Wir wollen auch Kindern etwas bieten»: das «Kafi für dich» in Zürich
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Zürich hat mehr als 2000 Gaststätten. Im Sommer kommen noch knapp 500 unter freiem Himmel dazu. Die Konkurrenz ist gross, da muss dem Gast etwas geboten werden: dem adretten Weltbürger eine Location, wo er seinen Latte macchiato schlürfen kann; dem Büezer eine Beiz, in der er seinen Jass klopfen kann; der Kuchenliebhaberin vom Züriberg ein Café und dem Banker vom Paradeplatz eine schicke Bar für den Apéro. Und was darfs für die junge, trendbewusste Mutter sein, die ihre Single-Freundin zum obligaten Wochentratsch nicht ins biedere, aber familienfreundliche Tearoom bestellen möchte? Oder was solls für den «neuen Mann» sein, der seinem Kumpel endlich mal die Frucht seiner Lenden präsentieren möchte – aber bitte nicht in diesem uncoolen, abgetakelten Café um die Ecke? Da kommt das «Kafi für dich» ins Spiel: eine Mischung aus Bar, Lounge, Café und Kinderkrippe. Böse Zungen sagen gar: Spelunke mit Wickeltisch und Schaukelpferd.

«Nicht nur Frischluft und Sirup»

Was soll das? Müssen Zürcher ihre Grossstadtgofen nun sogar in die Stammkneipe mitschleppen? So gefragt, heult Petra («Man duzt sich hier») laut auf. «Es ist doch toll, dass ich mit dem Kind nicht nur im Quartiertreff oder bei McDonalds willkommen bin», meint die junge Mutter. Und was sagt der einzige Mann in der Spielecke dazu? Auch er will lieber anonym bleiben («Muss ja nicht jeder wissen, dass ich bei Sonnenschein mit dem Kind in der Beiz sass»). «Mein Grossvater nahm mich als Kind jeweils zum Frühschoppen; ich lernte früh, dass die Welt nicht nur aus Frischluft und Sirup besteht.»

Und was brachte die vier Betreiber dazu, ein Café für alle zu initiieren? «Zwei von uns haben Kinder, da wollten wir auch denen was bieten.» Monatelang haben sie den ehemaligen Fisch- und Supermarkt umgebaut. Nicht von ungefähr erinnert das Lokal ans Grossstadtflair von Berlin: Einer der vier ist Berliner, und dem kam es in Zürich seltsam vor, dass sich die verschiedenen Szenen nicht mischen, sondern abschotten. Dem wollte das Quartett etwas entgegenhalten. Es ist offensichtlich gelungen.

Veröffentlicht am 04. Juni 2009