Laura kichert. «Die Frau hat Bisi gemacht, und der Mann hats getrunken», sagt sie. Hihi. Die ganze Gruppe hat es mitangesehen. Hihi.

Der erste Eindruck bei den Vierjährigen ist nachhaltig. Doch keine Bange: Trotz offensichtlich beobachteten Pinkelspielen wäre ein Kinderpsychologe fehl am Platz. «Wer waren denn die beiden?», fragt Krippenleiterin Patricia Meier. «Eine Kuh und ein Stier.» Landleben halt. So etwas sieht ein Zürcher Stadtkind eben nicht alle Tage. Gerade deshalb verbringen die vier Betreuerinnen und ihre 15 Schützlinge das Sommerlager im Pfadiheim Mutschellen in Rudolfstetten. Für eine Woche tauschen sie die Häuserschluchten der Limmatstadt mit dem idyllischen Rummelbachgraben.

«Wir haben ein Feuer gemacht», sagt Sven. «Und grilliert.» – «Und gebrätelt.»

Was noch? «Hier hats ein Fussballstadion», sagt Sven. Der FC Rudolfstetten hat eine eigene Arena? «Er meint den Töggelikasten», erklärt Patricia Meier. Sven, ganz Fussballfan, reisst die Arme hoch und quietscht einen Sprechchor: «Eff-zee-zet!» Papa steht wohl öfter in der Zürcher Südkurve. «Sven, was haben wir über Fussball gesagt?», mahnt Meier. Im Krippenlager hat Vereinsfussball keinen Platz – dem Hausfrieden zuliebe, denn unter den Kindern gibts auch Anhänger des Stadtrivalen GC.

Laura ist Fussball egal. Sie sehnt sich nach mehr Privatsphäre: «Zu Hause habe ich mein eigenes Bett und meine Spielsachen», sagt sie. Im Pfadiheim schlafen die Kinder in einem Massenschlag.

Obwohl keines der Kleinen von allein darauf kommt, dass Mami und Papi fehlen, ist Heimweh ein heikles Thema. «Wenn es aufkommt, dann meist am Abend. Notfalls verabreichen wir Heimweh-Kügeli», sagt Patricia Meier: «Arnikaglobuli.» Die Dosis wird je nach Schwere der Symptome angepasst.

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Wie lange seid ihr denn schon hier? «Ich bin vieri», sagt Anna. Ja, aber die Frage lautete nicht: Wie lange seid ihr hier auf Erden, sondern: Seit wann seid ihr im Lager? «Dreimal.» – «Das heisst dreimal schlafen», sagt Patricia Meier. Aha. Und wie lange noch? «Ich bin vieri.» Lauter kleine Egozentriker.

Wenn sich die Kinder aber einmal für ihre Umgebung interessieren, geht es gleich um Existentielles: «Hats noch Glace?», fragt Anna und äugt in die leere Packung. «Nein, ist alles weg», sagt Meier. «Daheim gibts mehr Glace», sagt Laura. Was ist sonst noch anders als zu Hause? «Alles.»