Geschlechterrollen, lehrt die Soziologie, sind stetem Wandel unterworfen. Wie die gesellschaftlichen Normen verändere sich auch das typische Verhalten von Männlein und Weiblein. Alles Geschwätz, zeigt ein Besuch im Kindertheaterkurs.

Das Setting: Zwei Gruppen von vier Knaben und acht Mädchen zwischen sieben und zwölf Jahren sollen sich eine Detektivgeschichte ausdenken und inszenieren. Kursleiterin Nina Hesse filmt.

Und Action: Auf einer Parkbank sitzt einer mit einem Koffer. Zwei Gangster zücken Pistolen: «Her mit dem Ding, sag uns den Code!» – «Der Koffer ist leer.» – «Erzähl keinen Scheiss!» – «Ich lüge nicht.» – «Los jetzt, her damit!» – «504663.» Einer der Gangster hantiert am Koffer herum. «Verdammt, er ist wirklich leer!» Peng! Der andere Gangster schiesst auf den Koffermann und schaut nach seinem am Boden liegenden Kollegen. Der Koffermann regt sich. Peng! Peng! Peng! Irgendwie sind am Schluss jedenfalls alle tot.

Mädchen machen mehr Worte

Schnitt: Im Theatersaal proben die Mädchen in hohen Schuhen. Eine Detektivin erteilt Kommandos. Es gibt ein Büro mit einer Frau Direktorin und ihrer Assistentin. Es wird viel telefoniert. Eine Millionärin tritt in Erscheinung, offenbar wurde ihr Mann entführt. Sie fragt nach neusten Erkenntnissen. Wortreich werden Schmuck und Kleider hin und her gereicht. Das Bühnenbild wechselt oft.

Am Ende entpuppt sich die ganze Geschichte als hinterhältige Intrige: Die Direktorin hat die Entführung selber inszeniert. Fazit: Alles wie gehabt – Männer schweigen und handeln, Frauen schwatzen und manipulieren.

Und was treibt Kinder vor die Kamera? «Klar, Filmstar werden wäre cool», nickt der neunjährige Alexander etwas zögerlich. «Also ich mag hier vor allem das Teamwork», gibt der elfjährige Nicolas ernst zu Protokoll. «Ich möchte lieber Tierärztin oder Reitlehrerin werden», gesteht seine neunjährige Schwester Anne-Sophie. So richtig ambitioniert scheint bloss die elfjährige Stefanie: «Klar möchte ich Filmstar werden.» Wieso? «Ja, dann bin ich mega berühmt und schön und reich.»