Samstagmorgen im Vater-Kind-Kafiträff von Dübendorf ZH. Sieben Väter sitzen gemütlich um den grossen Kaffeetisch und plaudern. Ihre Kinder vergnügen sich derweil im Spielzimmer nebenan, ein paar der kleinsten sitzen geborgen auf Daddys Schoss. Kein Schreien und Johlen, nichts vom üblichen Kinderlärm, wenn eine Gruppe Gspäändli zusammenkommt. «Das ist schon ungewöhnlich», sagen die Väter. «Normalerweise rasen die Kinder mit den Dreirädern um uns herum.»

Treffs für Väter mit ihrem Nachwuchs sind immer noch ungewöhnlich – Vorurteile gegen kaffeetrinkende und schwatzende Männer sitzen tief. Alain Buess muss lachen: «Worüber reden die nur?», habe er sich vor seiner ersten Teilnahme gefragt und eine Gruppe von Politaktivisten oder von «halben Portionen» erwartet. Stattdessen traf er auf ganz normale Leute, die über ganz alltägliche Dinge redeten.

An diesem Morgen über Kinderhandschuhe, die auf dem Spaziergang verloren gingen, was der Ehefrau gar nicht gefiel. Oder über die letzten Vater-Kind-Ferien im Klöntal, als die Väter mit ihren Kindern bis zum Hals in Schlammlöchern wühlten und eine Sau am Spiess zubereiteten. Die verschiedensten Berufe – vom Handwerker bis zum Akademiker – sind im «Va-Ki-Kafiträff» vertreten. Vollzeit-Erwerbstätige gibt es hier ebenso wie Teilzeit-Familienmänner.

Es geht nicht um Erziehung



Im Kafiträff und fast noch mehr in den abendlichen Väterrunden der Vater-Kind-Ferien können die Männer auch spezielle Themen rund ums Vatersein ansprechen. «Derart intensive persönliche Gespräche erlebe ich bei meinen sonstigen Männerbekanntschaften nicht», sagt Michi Bollinger. Hier müsse eben niemand der Super-Papa sein, ergänzt Nicolaus Busch: «Wir können oft ohne grosse Worte voneinander lernen – einfach indem wir sehen, wie es die anderen machen.»

Um den Wert von Vätergruppen weiss auch Andreas Borter, Fachmann beim Väternetz Schweiz. Die Hürde, sich im Gespräch zu öffnen, sei für Männer meistens höher als für Frauen: «Männer überlegen sich sehr genau, was sie von ihren Schwierigkeiten im Erziehungsalltag erzählen und was nicht.» Damit sie Vertrauen fassen, brauche es eine intensive Aufbauarbeit. In den letzten Jahren sind viele neue Angebote entstanden – vom Baby-Massagekurs über den Vater-Kind-Kochkurs bis zur geleiteten Gesprächsgruppe für Väter. Doch manche empfindet der Experte aus Burgdorf BE als nicht nachhaltig, weil die Männer sie nicht selbst entwickelt haben: «Oft werden die Väter von ihren Frauen dorthin geschickt.»

Damit ein Angebot die Väter selbst anspricht, dürfe die erzieherische Ebene nicht im Vordergrund stehen, so Borter. Nicht «Was kann ich lernen, um ein guter Vater zu sein?» sollte das Motto sein, sondern «Wie kann ich eine gute Zeit mit meinem Kind verbringen?». Ganz alltagsorientiert und vor allem auch lustbetont. Gemeinsam Pilze sammeln zum Beispiel, sie kontrollieren lassen und dann zusammen kochen, essen und aufräumen.

Bei solchen Gruppenaktivitäten sei es gut möglich, das eigene Kind wahrzunehmen, findet Andreas Borter. Die Väter sehen, wie das Kind reagiert und woran es Freude hat. «Manchmal braucht es aber auch einen Leiter, der von aussen Hinweise gibt.» Viele Väter seien heute verunsichert in ihrer Rolle, «und die Antworten können nicht von den Frauen kommen».

Statt zum Mami zum Papi



Bis bei Vater-Kind-Angeboten vertiefende Kontakte im Sinn eines Väternetzwerks entstehen, muss eine Gruppe von Männern das Feuer am Lodern halten. So wie das im Zürcher Oberländer Väterverein (ZOVV) geschehen ist, zu dem auch der Kafiträff in Dübendorf gehört. Der Verein entstand aus einem Väterprojekt im Bezirk Uster. 15 Jahre lang leitete ein angestellter Sozialarbeiter das Projekt, bis es im letzten Jahr offiziell für beendet erklärt wurde – oder weggespart, wie die Väter meinen. «Wir überlegten uns, einen politischen Protest zu lancieren», sagt Präsident Nicolaus Busch. «Aber dann fanden wir, dass wir unsere Energie besser weiter für die Ziele des Projekts einsetzen: die Vernetzung.»

Und die Mütter? Während die einen ihre Männer zu den neuen Vateraktivitäten drängen, müssen sich andere erst daran gewöhnen. Als sich Michi Bollinger zum ersten Mal für die Vater-Kind-Ferien anmeldete, gab es zu Hause fast einen Ehekrach: «Meine Frau ist ein ‹Vollblutmami› und traute mir das nicht zu.» Doch inzwischen, sagt er, würde sie ihn «lynchen», wenn er nicht mehr teilnehmen würde; auch seine Partnerin geniesst nun in dieser Woche ihre Freizeit in vollen Zügen. Der Vater wiederum erlebt in solchen Ferien, wie die Beziehung zu seinen Kindern intensiver wird. Bollinger: «Noch Wochen nachher rennen die Kinder am Mami vorbei zu mir, wenn sie sich wehgetan haben und sich trösten lassen wollen.»

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Weitere Infos

  • Erlaubt die Suche nach Vater-Kind-Angeboten in Ihrer Region: www.elternbildung.ch (Rubrik «Veranstaltungen»)

  • Fragen Sie auch bei Kirchgemeinden oder Eltern-Kind-Zentren nach. Adressen dieser Zentren finden Sie unter www.muetterzentrum.ch

  • Folgende Internetadressen können ebenfalls weiterhelfen: www.zovv.ch (Zürcher Oberländer Väterverein), www.vaeterburgdorf.ch (Vätertreff Burgdorf)
Quelle: Tina Steinauer