Beim Stichwort Videospiel denken viele an Gewalt und Ballereien. Doch das im Jahr 2007 in der Schweiz am häufigsten verkaufte Game ist «Dr. Kawashimas Gehirnjogging» – und das Lernspiel mit seinen kniffligen Denksportaufgaben ist keineswegs eine Ausnahme, sondern nur der Verkaufshit unter diversen Spielen, die ebenfalls die grauen Zellen fordern.

Die Gehirnjogging-Software ist auch Vorreiter eines weiteren Trends: der sogenannten Casual Games. Darunter sind Spiele zu verstehen, die nicht erst durch stundenlanges Studium komplexer Tastenkombinationen ihren Spielspass preisgeben. Die Erfahrung hat gezeigt, dass sich Erwachsene oft schwertun mit der Steuerung von Computerspielen. Zum einen haben sie Angst, etwas falsch oder gar kaputt zu machen, zum anderen wollen sich Eltern nicht vor ihrer Jungmannschaft blamieren. Denn für die meisten Videospiele braucht man eine ähnliche Fertigkeit wie beim Zehnfingersystem für die Computertastatur: Jeder Griff muss blind sitzen, sonst hat man keine Chance.

Der Game-Hersteller Nintendo hat erkannt, dass einfachere Steuerungen zum Verkaufsschlager werden müssten: Die Konsole Wii bedarf keiner Tastenmagie, sondern simpler Bewegungen, die ungefähr dem realen Vorbild entsprechen und vom sogenannten Controller ins Spiel übertragen werden. So lässt sich ohne langes Einarbeiten gemeinsam am Bildschirm Tennis spielen, Kegeln oder auch Fischen. Als neuste Ergänzung dazu wird das «Balance Board» angeboten: Auf diesem Plastikbrett, das einer Personenwaage ähnelt, kann mittels Gewichtsverlagerungen ein Programm gesteuert werden, das zum Beispiel Yoga-, Fitness- und Gleichgewichtsübungen zeigt.

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Der Trend der Casual Games, die in der Regel mit mässig attraktiven Grafiken und wenig Spieltiefe aufwarten, hat zu einer Erweiterung des ohnehin schon breiten Angebots an Videospielen beigetragen und insbesondere das familienfreundliche Segment gestärkt. In jedem Fall gilt es aber, die Pegi-Altersempfehlungen (www.pegi.info), die auf sämtlichen Videospielen klar sichtbar angebracht sind, zu beachten. Denn bei weitem nicht jedes Videospiel ist einfach Kinderkram.

Der Beobachter hat sich mit Blick auf die bevorstehenden Weihnachten das aktuelle Videospielangebot angeschaut, um schenkwilligen Eltern, Grosseltern, Gotten und Götti einen Überblick zu geben.

Für Musikalische

Musikgames stehen auf der Beliebtheitsskala ganz oben. Duschkabinen-Pavarottis erfreuen sich an Karaokespielen wie «Singstar» und «Lips».

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Wem solche vokale Varianten zu wenig sind, der kann mit «Rock Band» und «Guitar Hero World Tour» eine ganze Musikgruppe zusammenstellen und im Wohnzimmer abrocken. Letztere werden mit Mikrophon, Gitarre und Schlagzeug ausgeliefert. Das hat natürlich seinen Preis. Musikalische Vorkenntnisse braucht es keine, tolerante Nachbarn schon.

  • Singstar: Playstation 2 und 3, ab 3/12 Jahren

  • Lips: Xbox 360, ab 12 Jahren

  • Rock Band: XBox 360/Playstation 3/Wii, ab 12 Jahren

  • Guitar Hero World Tour: XBox 360/Playstation 3/Wii, ab 12 Jahren
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Für Denksportler

«Dr. Kawashimas Gehirnjogging» hat es vorgemacht, andere Titel folgten der Denksportvorlage. Wer Zweifel hat, dass Schnellrechnen oder Gedächtnistraining Spass machen kann, sollte sich mal ans Original wagen. Mit seiner grafisch unattraktiven Aufmachung beweist es auch, dass bei Videospielen sehr wohl der Spielspass und nicht die viel gerühmte Grafik im Vordergrund stehen kann. Weitere Herausforderungen für die grauen Zellen bietet «Smarty Pants».

  • Dr. Kawashimas Gehirnjogging: Nintendo DS (= Double Screen), ab 3 Jahren

  • Smarty Pants: Wii, ab 3 Jahren

Für Sofasportler

Mit zu den vergnüglichsten Spielformen zählen Sportsimulationen in der Art von «Fifa 09» für Fussball- und «NHL 09» für Eishockeyfans. Doch hier steht nicht der Kampf gegen den Computer im Vordergrund, sondern der Wettbewerb gegen einen Gegner aus Fleisch und Blut – sei es im Wohnzimmer oder online übers Internet. Taktisches Geschick, souveränes Passen und Schiessen führen zu Ruhm und Ehre, aber auch Neid vom Gegenüber.

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  • Fifa 09: sämtliche Plattformen, ab 3 Jahren

  • NHL 09: sämtliche Plattformen, ab 16 Jahren
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Für Cyber-Bastler

Darwin hätte seine Freude an «Spore» gehabt: In dieses herrliche Spiel von «Sims»-Erfinder Will Wright steigt man als Einzeller ein und beisst sich durch. Mit entsprechenden Evolutionsschritten beginnt man, seine Art, seine Kultur und schliesslich eine intergalaktische Herrschaft aufzubauen.

In «Little Big Planet» wiederum liegt die primäre Herausforderung darin, eigene Bahnen und Levels zu entwerfen. Über Playstation-Network können die Eigenkreationen anderen Spielern online zur Verfügung gestellt werden.

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  • Spore: PC/Nintendo DS, ab 12 Jahren

  • Little Big Planet: Playstation 3, ab 7 Jahren
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Für Wohnzimmer-Boarder

Mit dem Wii-Balance-Board unter den Füssen lassen sich weitläufige Pisten in «Shaun White Snowboarding» erkunden. Etwas mehr Gewicht auf dem vorderen Fuss erhöht das Tempo, die Verlagerung nach rechts oder links lässt einen in die Kurve liegen.

Wer es lieber etwas ruhiger nehmen will, gönnt sich das Yoga-Programm auf der Wii-Fit-Scheibe.

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  • Shaun White Snowboarding: Wii/Playstation 3/Xbox 360, ab 3 Jahren

  • Wii Fit: Wii, ab 3 Jahren
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Für Fauteuil-Fahrer

Zu den klassischen Videospieldomänen gehören Autorennspiele. «Burnout Paradise» zielt weniger auf Realismus als auf adrenalinpumpenden Rennspass ab – in einer Stadt, die mit einer neuen Herausforderung an jeder Strassenecke aufwartet.

Etwas mehr Asphalt unter den Reifen bietet «Racedriver Grid», eine anspruchsvolle Rennsimulation mit Funfaktor.

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  • Burnout Paradise: Xbox 360/Playstation 3, ab 7 Jahren

  • Racedriver Grid: Xbox 360/Playstation 3/PC/Nintendo DS, ab 7 Jahren

Für besondere Geschmäcker

Als hätte M. C. Escher mit seinen verwundenen Labyrinthen «Echochrome» Pate gestanden: Das in schlichtem Schwarzweiss gehaltene Puzzlespiel ist schnell begriffen, stellt aber harte Anforderungen ans räumliche Vorstellungsvermögen.

Zu den absurden Klassikern der Gamewelt gehört «Sega Bass Fishing»: Genüsslich kann vom Sofa aus die Angel ausgeworfen werden. Highlight: Angelfernsteuerung mit Kurbel.

  • Echochrome: Playstation Portable/Playstation 3, ab 3 Jahren

  • Sega Bass Fishing: Wii, ab 3 Jahren

Welche Konsole bringts für welches Spiel?

Je nach Interessen und Altersgruppe eignet sich die eine Spielkonsole besser als die andere:

Nintendos Wii wendet sich primär an Familien und ist sehr einfach in der Handhabung. Sie kann aber keine DVDs abspielen und verfügt weder über hochauflösende Grafiken noch über einen Harddiskspeicher; onlinetauglich. Preis: rund 400 Franken.

Microsofts Xbox 360 wendet sich in erster Linie an ein junges Erwachsenenpublikum. Die Konsole dient auch als DVD-Player und bietet High-Definition-Grafiken. Für diese Konsole gibt es nur wenige Kinderspiele; exzellente Onlineplattform, verschiedene Harddisk-Speichergrössen; ab 270 Franken.

Sony Playstation 3 verfügt über ein Softwareangebot, das ein breites Publikum anspricht, und kann hochauflösende Blu-Ray-Discs sowie DVDs abspielen; onlinetauglich; 80-Gigabyte-Harddisk. Preis: rund 650 Franken.

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