Der Flammpunkt von Zeitungspapier liegt bei etwa 175 Grad Celsius. Der untere Rand des Ballons hat diesen Wert gerade erreicht. Eine Falte verfärbt sich dunkel, dann bricht die Flamme durch und frisst schnell ein grosses Loch in die Flanke des Ballons.

«Hindenburg!», schreit laut der kleine Thierry – ich habe ihm während der Bastelei vom grossen Zeppelinunglück in den dreissiger Jahren erzählt. Unser Papierluftschiff taumelt und kippt zur Seite.

Einen Heissluftballon aus Zeitungspapier zu basteln ist ein schönes Halbtagesprojekt in einem schneefreien Winter, dachte ich: niederschwellig und günstig, da die meisten Utensilien im Haushalt vorhanden sind – und dank der guten Anleitung, auf die ich im Internet gestossen bin, einfach auszuführen.

Quelle: Gerry Nitsch
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Das Vorheizen war ein Fehler

Die Anleitung ist von Michael Baumeler. Der 52-jährige Lehrer hat mit seinen Schulklassen Dutzende solcher Heissluftballone gebastelt und himmelwärts geschickt. «Erfunden hat das Modell mein Vater Martin – wir haben damals lange getüftelt und etwa zehn verschiedene Varianten ausprobiert», erzählt Baumeler am Telefon.

Ich schildere ihm unseren Misserfolg. Für den Start wollten wir den Ballon über einem Campingkocher vorheizen – ein Feh­ler. Zwischendurch hätte er zwar fast ab­gehoben – aber eben immer nur fast. Und dann geriet eine Papierfalte zu nahe an die Spritflamme. «Es muss einfach windstill sein, dann funktionierts eigentlich bestens», sagt Routinier Baumeler. Es war windstill.

Zu wenig Hitzeentwicklung

Baumeler schickt mir eine Excel-Datei mit physikalischen Berechnungen und Tabellen. Sein Vater hat damals nicht einfach nur getüftelt, sondern auch gerechnet: Gewicht, Fläche und Volumen, Dichte, Umgebungstemperatur. Nach den Gesetzen von Avogardo und Gay-Lussac hätte unser Ballon fliegen müssen. Aber er tat es nicht.

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«Vermutlich hat Ihr Spritbrenner nicht genug Hitze entwickelt, um den Ballon zu starten – die getränkte Watte ist da effektiver», sagt Baumeler. Um das Gewicht zu heben, hätte die ganze Luft im Ballon rund 160 Grad heiss sein müssen.

Schade. Immerhin haben wir gut zwei Stunden gebastelt. Thierry nahm unser Scheitern nicht so schwer: «Schau, jetzt haben wir viele kleine Ballone», bespöttelte er die davonschwebenden Aschefetzen.

Wir werden das nochmals versuchen.