Dann kommen noch meine Saiten dazu. Ich werde danach in einem Auto oder einem Lieferwagen in einen Musikladen gebracht und dort ausgestellt. Dort stehe ich dann neben Dutzenden von Gitarren und anderen Instrumenten und warte Tag für Tag auf einen Käufer.

An einem normalen Samstagmorgen geschähe es. Ich schaute wie immer auf die Strasse, wo sich Hunderte von Menschen tummelten. Plötzlich rief eine E-Gitarre: «Schaut, da kommt der Gitarrenhändler!» Und wirklich, ein Mann kam zur Tür herein, schaute sich neugierig um, schrieb eine Notiz in ein kleines Heft und ging, ohne mit dem Verkäufer zu sprechen, wieder hinaus. Wir schauten uns alle an und waren enttäuscht, da wir uns schon gefreut hatten, dass wir endlich aus diesem Geschäft hinauskommen würden. Und so ging es wie vorher: Wir warteten Tag für Tag auf einen Käufer.

Nach mehr als einem Monat kam derselbe Mann wieder in unser Geschäft, suchte sich mehrere Gitarren aus und kaufte sie. Ich gehörte auch dazu. Er nahm uns mit nach Hause und tunte uns gründlich auf. Nachdem ich Zusatzteile und anderes besonderes Zubehör an mir hatte, wurde ich im Internet angeboten.

Wenn ich Glück habe, werde ich von einem Profi wie Paco de Lucia oder Carlos Santana gekauft und könnte dann an sensationellen Rockkonzerten auf der Bühne mit dabei sein. Alle würden mir und meinem Gitarristen zujubeln. Vor Zehntausenden von Menschen könnte ich meine besten Töne von mir geben, und alle würden mir zuhören und wären begeistert.

Doch wenn ich darüber nachdenke, komme ich zum Entschluss, dass ich auch bei einem Kind, das noch nicht gut spielen kann, glücklich werden könnte.

04-08-Gitarre.jpg