Die Aktion war als öffnender Querpass gedacht: Im Juni 2008 reicht Gabriel Schneuwly beim Freiburger Fussballverband das Gesuch ein, seinen damals knapp elfjährigen Sohn Valentin noch eine Saison länger bei den E-Junioren des FC Wünnewil spielen zu lassen. Gemäss den Regularien müsste der Junge zu den älteren D-Junioren wechseln, doch aufgrund seiner koordinativen und motorischen Defizite wäre Valentin dort überfordert. Im Team der Jüngeren hingegen ist er voll integriert und mit Feuereifer dabei – wichtig nicht zuletzt für seine körperliche Entwicklung. Das Gesuch, ergänzt durch ein Arztzeugnis, wird vom Klub vorbehaltlos unterstüzt.

Von Spähern beobachtet

Ein harmloser, gut begründeter Wunsch eines Kickers aus dem Senseland. Niemand, der Kinderfussball so versteht, wie er gedacht ist, würde gegen diesen Plan sein, sollte man meinen. Zumal der Schweizerische Fussballverband (SFV) auf der Website festhält: «Spielen und sich am Spiel erfreuen muss bei den Kindern über allem stehen.»

Ungünstig ist bloss: Im SFV geben nicht Fussballer, sondern Funktionäre den Ton an. Die Vorlage aus Wünnewil jedenfalls wird vom Kantonalverband FFV («nicht zuständig») weitergeleitet zum nationalen Verband, wo die Kontroll- und Strafkommission (KSK) den Ball übernimmt und ihn für die medizinische Kommission (MK) ablegt. Dort wird die rote Karte gezückt – keine Ausnahmebewilligung für Valentin; eine «entwicklungsbedingte Retardierung» reiche dafür nicht aus.

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Immerhin folgt ein entlastender Rückpass ins Freiburgische: Der FFV soll den Buben beobachten lassen, vielleicht ergäbe sich eine neue Beurteilung. Nun rücken Späher der Regionalkommission (Reko) Sense aus und verfolgen an drei Spielen, wie sich Valentin bei den D-Junioren abmüht. FC-Wünnewil-Vertreter sind auch dabei und stellen fest: Er sieht kaum einen Ball. Doch darauf gehen die Reko-Leute im Observationsrapport mit keinem Wort ein, sondern bestätigen lediglich den Entscheid der MK. In träger Passfolge geht die «Causa Schneuwly» wieder den Instanzenweg nach oben. Der SFV lässt ausrichten, man sehe keine Veranlassung, die Praxis zur Behandlung von Ausnahmegesuchen zu ändern, auch nicht auf unterster Juniorenstufe.

Beim Schlusspfiff bleibt es dabei: Der Bub muss in die höhere Alterskategorie. Inklusive Nachspielzeit sind zehn Monate vergangen. Die Verbandsbürokratie hat Valentins Freude am Sport längst erdrückt. Er macht nur noch die Trainings mit «seinen» E-Junioren mit, an die Spiele der Grösseren geht er nicht mehr.

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