«Wenn ich mit den Kindern unterwegs bin, zeigen Passanten schnell einmal diesen Jö-Effekt: ‹Ach, wie toll Sie das machen als Mann!› Hingegen begegnen mir viele Eltern in der Krippe zuerst mit Skepsis. Sie fragen sich, ob ich vielleicht pädophil sei. Einerseits sind babywickelnde Männer in der Gesellschaft immer noch ein ungewohntes Bild, anderseits hört man halt viel von negativen Vorfällen. Deshalb kann ich die Ängste der Eltern gut verstehen. Bisher ist es mir allerdings immer gelungen, Vertrauen zu schaffen. Ich bin heute Gruppenleiter in einer kleinen Krippe und fühle mich sehr wohl unter Frauen.

In der Lehre, in einer grossen Krippe, wo gut 20 Frauen arbeiteten, fehlte mir jedoch häufig ein zweiter Mann. Ich habe mich oft gefragt, weshalb. Mit den Frauen konnte ich genauso gut über Kinder und Fussball diskutieren. Vielleicht irritierte mich einfach der Gedanke, allein unter Frauen dazustehen.

Dass ich etwas Soziales machen wollte, wurde mir erst klar, als ich schon eine Lehre als Zoo-Fachverkäufer hinter mir hatte. Ein Praktikum in einem Jugendtreff fand ich dann sehr spannend, merkte aber auch, wie wichtig für diese Jugendlichen ihre frühere Geschichte war. So wollte ich schliesslich bei den ‹Wurzeln› anfangen: während der frühen Kindheit, die so prägend ist für das ganze Leben.»

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