Am besten tun Sie beides. Grenzen Sie sich ab, indem Sie jede Parteinahme vermeiden, aber ausdrücken, dass Sie die Situation stresst. Mit Geschick und Diplomatie können Sie aber auch helfen, dass sich die beiden besser verstehen, Konflikte ohne Kampf lösen und Meinungsverschiedenheiten stehen lassen können.

Im Jugendalter geht es um die Identität, da ist die Neudefinition der Beziehung zu den Eltern wichtig. Dies kann das gewonnene Gleichgewicht in einer Patchworkfamilie noch einmal erschüttern.

Tipps für das Zusammenleben in Patchworkfamilien

  • Jedem Familienmitglied seine eigenen Gefühle lassen, auch wenn man sie nicht teilt.
  • Sich nicht an Idealen, Konventionen und Wunschbildern orientieren, sondern an der Realität.
  • Den eigenen Weg und den Weg der Familie immer wieder neu erfinden.
  • Die Bedürfnisse und Gefühle der Kinder ebenso ernst nehmen wie die der Erwachsenen.

Früher sprach man ja von Stieffamilien. Das kommt vom englischen «step» (beraubt, verwaist). Damit klingen negative Erfahrungen wie Leid, Verlust und Trauma an. Der neudeutsche Ausdruck «Patchworkfamilie» weckt gegenteilige Assoziationen. Eine Patchworkdecke ist, obwohl aus Flicken zusammengesetzt, schön und kostbar. Das Wort verführt deshalb dazu, diese moderne, komplizierte Familienstruktur ausschliesslich positiv zu sehen und die damit immer verbundenen Konflikte zu verdrängen. Fachleute schätzen, dass ein Drittel der heute geschlossenen Ehen wieder geschieden wird. Etwa sieben Prozent aller Familien dürften heute bereits Patchworkfamilien sein.

Das grösste Konfliktpotenzial liegt darin, dass die Beteiligten die Situation in unterschiedlicher Weise erleben: Wenn der allein erziehende Elternteil (in der Regel die Mutter) einen Partner gefunden hat, möchte sie meist ganz einfach wieder in einer harmonischen Kleinfamilie leben und oft den Expartner am liebsten aus ihrem Leben streichen. Für die Kinder stimmt dieses Bild natürlich nicht. Sie fühlen sich mit dem auswärts lebenden Elternteil stark verbunden, müssen aber auch zum neuen Familienmitglied eine positive Beziehung finden. Für die neue Partnerin, den neuen Partner kann es schwierig sein zu akzeptieren, das aus der Patchworkfamilie noch Bande in die Vergangenheit zum Vater der Kinder reichen.

Das komplexe Beziehungssystem in einer Patchworkfamilie ist zwar eine Belastung und Herausforderung, es kann aber für die Kinder auch bereichernd sein. Durch die vielen verschiedenen Beziehungsmöglichkeiten und durch die Notwendigkeit, Konflikte zu lösen, gewinnen sie oft eine grössere Sozialkompetenz, werden früher reif und autonom und fühlen sich freier als ihre Altersgenossen.