Eigentlich hätte das «Kinderhaus» in Hägendorf SO alles, um zum Musterfall einer guten Idee zu werden: eine engagierte Trägerschaft, solide Betriebs- und Finanzierungskonzepte, qualifiziertes Personal und eine gute Auslastung.

Doch von den 200 Millionen Franken, die der Bund für neue Angebote in der familienergänzenden Kinderbetreuung bereitstellt, erhält die im letzten Februar eröffnete Kinderkrippe keinen Rappen. Einziger Grund: Die Initianten haben das Gesuch für eine Anstossfinanzierung zwei Wochen zu spät abgeschickt. Ein Formfehler, der das «Kinderhaus» in arge Schieflage bringt, denn es fehlt jetzt eine jährliche Finanzspritze von 60'000 Franken.

Dass das Bundesamt für Sozialversicherung (BSV) eine Verfahrensfrage stärker gewichtet als die inhaltlichen Qualitäten des Projekts, ist für die Präsidentin des Trägervereins empörend: «An der Sache selber scheinen die Behörden gar nicht interessiert zu sein», klagt Irène Dietschi. «Nach anderthalb Jahren ehrenamtlicher Aufbauarbeit empfinden wir das als Verstoss gegen Treu und Glauben.»

Gestolpert sind die Hägendorfer über eine Übergangsverordnung: Weil ihre Krippe gleichzeitig mit dem Inkrafttreten des neuen Bundesgesetzes über die Finanzhilfen startete, hätte das Unterstützungsgesuch am 28. Februar 2003 beim BSV sein sollen. Dietschi bemängelt, der Stichtag sei unzureichend kommuniziert worden. Das Bundesamt argumentiert, dass es an den Gesuchstellern selber liege, sich die relevanten Informationen zu beschaffen. In einem Rekursverfahren gab das Departement des Innern den Beamten Recht.

Das Amt lässt sich nicht beirren
Eine zweite Chance bekommen die Initianten des Hägendorfer «Kinderhauses» ebenso wenig wie die Verantwortlichen der 31 weiteren Projekte, die bisher in die Fristenfalle getappt sind. So bleiben die Berner Unterstützungskassen auch für den «Rägeboge» im aargauischen Entfelden geschlossen. «Wahnsinnig bürokratisch» findet Max Gysin vom Trägerverein diese Haltung des BSV – dabei steht er als ehemaliger Gemeindeammann kaum im Verdacht, übermässig behördenkritisch zu sein.

Was Gysin wie Dietschi besonders stört: Mit der Anstossfinanzierung animiere der Staat Private, eine familienpolitische Aufgabe zu lösen – und dann würden ausgerechnet staatliche Stellen eben diese Eigeninitiative untergraben.

Das irritiert auch SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr, die im Parlament die treibende Kraft hinter dem Impulsprogramm war: «Die Behörden dürfen die Absicht des Gesetzes, also zusätzliche Betreuungsplätze zu ermöglichen, nicht aus den Augen verlieren.» Gerade in der Anfangsphase einer neuen Verordnung müsse man sich um pragmatische Lösungen bemühen, findet Nationalrätin Fehr.

Doch Cornelia Louis von der Zentralstelle für Familienfragen beim BSV hält sich lieber an die buchstabengetreue Einhaltung der Vorschriften: «Das Verfahren ist unmissverständlich geregelt, bezüglich der Fristen gibt es keinen Spielraum.» Bei ihr sind seit Februar 422 Finanzierungsgesuche eingegangen; 135 Projekte mit 2200 neuen Krippenplätzen erhielten bisher eine Starthilfe vom Bund.

Die Hägendorfer denken nicht daran, die Flinte ins Korn zu werfen: «Von desinteressierten Behörden lassen wir unser Projekt nicht kaputtmachen», gibt sich Irène Dietschi kämpferisch. Die nächste Frist ist gesetzt: Bis Ende Jahr müssen 30'000 Franken her, um das «Kinderhaus» über Wasser zu halten.