Königliche Hoheit, das Volk liebt Sie. Als Sie anno 2006 einen männlichen Thronfolger präsentieren konnten, da war die Welt im kleinen Königreich in Ordnung. Konnten Sie doch nun beweisen, dass Sie trotz Ihrer eigenen, als lieblos empfundenen Kindheit Ihrem Nachwuchs Liebe und Zuneigung geben können. Als militärisch ausgebildeter Kampfschwimmer und Grönlanddurchquerer sind Sie geschult, schwierigste Situatio­nen zu meistern. Offenbar mit Erfolg – Sie wurden in der ältesten Monarchie Europas immer wieder zum Mann des Jahres gewählt.

«Kinder sind wie Hunde»

Doch nun geben Sie als Vater eine gar trostlose Figur ab: Es war der 75. Geburtstag Ihres Vaters, Prinzgemahl Henrik. Ihr Sohn Christian wollte lieber an einem Laternenmasten klettern als auf der Tribüne stehen und den Untertanen zujubeln. Da schleiften Sie den Kleinen kurzerhand an den Armen davon. So ist «Erziehung» aber nicht gemeint! Die Aussage Ihres Vaters: «Kinder sind wie Hunde und Pferde, man muss sie dressieren», scheint bei Ihnen doch noch nachzuschwingen. Sie wollten bei Ihren Kindern alles ganz anders machen – wie wir Normalsterblichen übrigens auch oft.

Aber, Königliche Hoheit, bei allem Verständnis für die höfische Etikette – für jeden Dreijährigen dieser Welt ist das Klettern an Laternenmasten doch viel interessanter, als langweilig auf einer Tribüne rumzustehen. An äusseren Zwängen kommt kein Adliger vorbei, das versteht auch das gemeine Volk. Trotzdem hätten Sie gelassener reagieren können. Sie hätten Ihrem Sprössling auf Augenhöhe erklären können, dass sein Platz jetzt auf der Tribüne ist und Klettern auch nach der Zeremonie noch möglich sei.

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Sie als Vater sind gefordert, Christian klare Grenzen zu setzen – aber vor allem, sich in Verständnis und Geduld zu üben. Eigenschaften übrigens, die auch einem König gut anstehen. Nehmen Sie sich doch ein Beispiel an Ihrer Frau Mary. Sie konnte den Kleinen mit ruhigen, aber bestimmten Worten besänftigen. Kopf hoch – das hätten Sie auch geschafft.

Unser Tipp: Spielen Sie mit Ihrem Sohn, sooft Sie können. Besser noch: Können Sie, sooft Sie wollen! Ihr Sohn wirds Ihnen danken und das nächste Mal Ihrer Aufforderung gerne schneller nachkommen. Es reicht, wenn sich höfische Zeremonien in die Länge ziehen – den Armen Ihres Kleinen sollte das nicht passieren.