Noch eine Stunde und acht Minuten dauert die Auktion. «Tholijosa» schaut gespannt auf den Bildschirm ihres Computers. 54 Euro hat sie für die Sportjacke geboten, die sie ihrer Tochter kaufen möchte. Die Jacke stammt aus einer Musterkollektion, ist fast neu und kostet im Laden 120 Euro, knapp 200 Franken. Einziger «Nachteil»: Sie ist ein letztjähriges Modell.

«Tholijosa» heisst Liliane Lüscher, wohnt im aargauischen Schafisheim, ist dreifache Mutter und kaufmännische Angestellte: «Ich ersteigere fast alle Gebrauchsartikel für meine Kinder in Internetauktionen, meist bei Ebay Deutschland.» Schlechte Erfahrungen hat sie bisher nicht gemacht. Was von der Grösse her nicht passe oder nicht gefalle, verkaufe sie umgehend wieder im Internet – und sie habe praktisch immer den ursprünglichen Kaufpreis erreicht.

Die Einsparungen bei den so ersteigerten Gegenständen sind beträchtlich: «Für meinen Markenkinderwagen habe ich rund 250 Euro bezahlt, hier hätte er 1200 Franken gekostet.» Im Schnitt zahlt sie auf diesem Weg einen Drittel bis die Hälfte weniger.

Kinder gehen ins Geld. Gemäss dem Bundesamt für Sozialversicherung kostet das Erstgeborene bis zum zwanzigsten Lebensjahr rund 350'000 Franken, jedes weitere zwischen 150'000 und 180'000 Franken. Rechnet man Betreuung und Lohnausfall der Mütter – und weniger Väter – hinzu, sind es zwei- bis dreimal so viel. Und weil viele Frauen mit dem ersten Kind weniger oder gar nicht mehr arbeiten, reduziert sich das verfügbare Einkommen eines durchschnittlichen Paarhaushalts auf etwa die Hälfte.

Da liegt es nahe, dass man als Eltern gezielt nach Möglichkeiten sucht, die Kosten tief zu halten. «Clever und am richtigen Ort sparen», ist die Devise von Simone Häfeli, ebenfalls dreifache Mutter. Seit ihr Mann arbeitslos ist, muss sie besonders darauf achten, das monatliche Budget einzuhalten. «Den Kindern geht es auch gut, wenn sie die ausgedienten Kleider von Bekannten tragen oder die Ferien mit Ausflügen in der Schweiz verbringen», ist sie überzeugt. Den Instrumentalunterricht, der mit 100 bis 150 Franken pro Kind und Monat zu Buche schlägt, will sie aber beibehalten.

Marianne Dörig, Budgetberaterin der Frauenzentrale Bern, erlebt häufig, dass Eltern lieber selbst verzichten, als ihren Kindern Wünsche abzuschlagen: «Man will als Eltern schliesslich nur das Beste für den Nachwuchs.» Das Problem dabei: Die Wünsche der Kinder sind bisweilen grenzenlos. «Sie wissen in der Regel, wie viel ihre Eltern verdienen, haben aber kein Gefühl dafür, wie viel der Lebensunterhalt kostet», erklärt Marianne Dörig. Bekomme der Vater einen Monatslohn von 6000 Franken, ziehe der Sprössling davon sein Taschengeld ab und sei im Glauben, den Eltern bleibe eine riesige Summe, um auch alle anderen seiner Begehrlichkeiten zu befriedigen. «Was Steuern, Versicherungen, Miete oder Lebensmittel verschlingen, wird Kindern meistens erst bewusst, wenn sie einen eigenen Haushalt führen», erlebt Dörig immer wieder. Hier hilft nur eines: das Offenlegen des Familienbudgets.

Gleichzeitig gilt es, die Kinder für den Umgang mit Geld zu sensibilisieren.

  • Bleiben Sie gelassen: Vermeiden Sie eine allzu rigide Haltung gegenüber den Forderungen Ihrer Kinder – sonst werden die Wünsche noch interessanter.
  • Wägen Sie den Nutzen ab: Was bringt es dem Kind letztlich, einen bestimmten Wunsch erfüllt zu bekommen? Kinder sind bei ihren Kameraden nicht automatisch beliebt, nur weil sie etwa die «richtigen» Kleider tragen.
  • Suchen Sie Kompromisse: Das Kind kann zum Beispiel einen Teil der Kosten selbst übernehmen. Oder es muss zumindest bis zum nächsten Geburtstag warten.
  • Bleiben Sie konsequent: Wenn Sie sich für ein Nein entschieden haben, lassen Sie sich nicht umstimmen. Zeigen Sie Ihren Kindern, dass auch Sie selbst nicht alles haben können.
  • Diskutieren Sie über Werte: Viele Kinder sind durchaus offen, die gängige Konsumhaltung zu hinterfragen. Selbst wenn sie zuerst einmal moralischen Druck aufbauen: «Die anderen haben auch …»
  • Überdenken Sie Ihr eigenes Konsumverhalten: Neigen Sie zu Frustkäufen? Bevorzugen Sie gewisse Produkte oder Marken allein aus Prestigegründen?


Hohe Fixkosten sind gefährlich
Ob das Familienbudget gesund ist, entscheidet sich oft schon, bevor Kinder da sind. «Viele Leute haben als Paar sehr hohe Fixkosten, die sich nur bedingt senken lassen, wenn ein Kind hinzukommt und ein Teil des Einkommens wegfällt», beobachtet Budgetberaterin Marianne Dörig. Dazu gehören etwa Lebensversicherungen, Leasingverträge und Konsumkredite. Längerfristige finanzielle Verpflichtungen sollten deshalb sehr genau abgewogen werden: «Wer als Paar tiefe Fixkosten hat», erklärt Dörig, «ist später als Familie auch weniger gefährdet, in die Schuldenfalle zu tappen.»

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In einem zweiten Schritt geht es darum, bei den laufenden Kosten nach Sparpotenzial Ausschau zu halten. Und da mangelt es nicht an Ideen: den Menüplan nach den Wochenaktionen ausrichten, die Ferien in einer Wohnung statt im Hotel verbringen, die Klarinette der Tochter gegen eine Gitarre für den Sohn tauschen. Oder, wie Liliane Lüscher für ihre Kinder, das Internet als Handelsplatz nutzen: «Das ist so spannend, das erspart mir das Kino.» Mit der Jacke für ihre Tochter hat es allerdings nicht geklappt. Bei 58 Euro ist sie ausgestiegen.