Liebe Riada

Ja, es gibt sogar viele Teufel. In der Schweiz sind es über 50, die meisten wohnen im Aargau. So stehts zumindest in der Schrift, in der wohl am meisten wahre und richtige Dinge stehen: im Telefonbuch. Spass beiseite. Das sind natürlich Menschen, die Teufel heissen.

Du fragst aber nicht nach Leuten mit sonderbaren Namen, sondern nach dem Bösen in Person. Dem Leibhaftigen, dem Satan. Der hat keine Adresse, nicht einmal ein Postfach. Das liegt daran, dass hinter allem Leid dieser Welt nicht wirklich ein geschwänzter, gehörnter Fiesling mit Pferdefuss steht.

Der Teufel ist lediglich ein Symbol mit einer erzieherischen Funktion: Wer Böses tut, kommt in die Hölle, sagt die Kirche. Die eigentliche Idee ist wohl, die Menschen dazu zu bringen, Gutes zu tun. Mit der Hölle zu drohen ist nötig, weil das Gute nicht immer das Einfachste ist. Gutes braucht meist Zeit, Geld, Mut oder andere Dinge, von denen jeder immer ein bisschen zu wenig hat.

Die Furcht vor dem Teufel hindert zudem die Stärkeren daran, sich von den Schwächeren einfach zu nehmen, was sie wollen. So gesehen ist der Teufel nützlich. Er trägt dazu bei, dass weniger Böses geschieht.

Allerdings sind sich die Menschen oft nicht einig, was Gut und Böse genau sind. Religionen behaupten, jemand sei böse, wenn er gegen ihre Gebote verstösst. Böse ist alles, was Spass macht, sagen die einen; nur was Mitmenschen schadet, sagen andere.

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Jedenfalls bringt nicht der Teufel die Menschen dazu, Böses zu tun. Es ist eher umgekehrt: Der Teufel ist die Summe alles Bösen – getan wird dieses Böse aber von Menschen; da führt kein Glaube daran vorbei. Was ich anfangs schrieb, ist deshalb nicht ganz falsch: Der Teufel steht im Telefonbuch. Nur nicht unter seinem richtigen Namen.

Balz Ruchti

Quelle: Jupiterimages

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