Liebe Leandra

Wir gähnen, wenn wir müde sind oder uns langweilen. Wann und wie oft wir es durchschnittlich tun oder wie lange es jeweils dauert, haben Forscher in verschiedenen Studien erfasst. Wozu Gähnen aber dient, darüber sind sich die Wissenschaftler uneins. Die Vermutung, dass wir durch das Gähnen einen Sauerstoffmangel korrigieren, konnten Experimente zum Beispiel nicht erhärten.

Immerhin haben die Forscher herausgefunden, dass beim Gähnen die gleichen Hirnregionen aktiv sind wie beim Nachdenken über uns selbst. Das stärkt die Annahme, Gähnen stehe in Verbindung mit unserem Einfühlungsvermögen. Eine andere Theorie besagt, Gähnen trage dazu bei, das Gehirn zu kühlen, so dass es dann besser arbeitet. Das könnte erklären, warum Gähnen so ansteckend ist: So werden alle Gehirne einer Gruppe auf optimale Betriebstemperatur gebracht. Die Mitglieder sind dann besser in der Lage, Gefahren zu erkennen. Es heisst, Gähnen sei so ansteckend, dass es schon reiche, davon zu lesen, um es auszulösen. - Na, liest du noch oder gähnst du schon?

Das Wort hat seine Wurzeln im Geräusch, das wir gähnend machen. Der Begriff ahmt den Gähnlaut nach und meint auch «aufreissen» oder «klaffen». Deshalb gibt es «gähnende Abgründe» - diese Felsschlünde sind nicht müde, sondern weit offen und tief.

Im Mittelalter fürchtete man, beim Gähnen könnte die Seele aus dem Körper entweichen. Darum hielt man sich die Hand vor den Mund - vielleicht wollte man aber auch einfach die schlechten Zähne nicht zeigen.

Aber obwohl es auch heute noch als unschicklich gilt, ohne Abwenden und Vermeidungsgeste zu gähnen, solltest du das wohlige Gefühl einfach geniessen - und wenns zu viel wird: ab in die Federn!

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