«Papi, wir kommen nicht.» Wie gelähmt liest Konrad U.* die SMS auf seinem Handy. Einmal mehr fällt das verabredete Besuchswochenende mit seinem 14-jährigen Sohn und der 12-jährigen Tochter ins Wasser. Meist sagte der Beistand der Kinder die Treffen telefonisch ab, weil die Spannungen zu gross seien. Und jetzt diese stumme Botschaft ohne Begründung. Der Vater fühlt sich ohnmächtig. Die eingekauften Lebensmittel bleiben liegen.

Seit zwei Jahren hat Konrad U. seine Kinder nicht mehr gesehen. Die ihm zustehenden zwei Besuchswochenenden pro Monat wurden von Amts wegen sistiert, damit die Kinder «zur Ruhe kommen können». Im vergangenen September wurde zwar die Beistandschaft ersatzlos aufgehoben, die Sistierung des Besuchsrechts aber unbeschränkt verlängert. Die Kinder sollen selber entscheiden, ob und wann sie wieder auf den Vater zugehen wollen.

«Ein Gespräch? Undenkbar»
«Die Entfremdung der Kinder durch die Mutter geht weiter», sagt U. «Ein Vater wird krank, wenn man ihm einfach die Kinder wegnimmt.» Er komme sich vor wie ein geschlagener Hund. «Ein Gespräch mit der Mutter ist undenkbar.»

Das Seilziehen um seine Kinder begann nach der Kampfscheidung vor drei Jahren. Die behördlich festgelegte Besuchsregelung war nur von kurzer Dauer; wenige Monate später verlangte die Mutter eine Beistandschaft zur Regelung des Besuchsrechts. Sie hatte nach 17 gemeinsamen Ehejahren ihre Jugendliebe geheiratet und das Sorgerecht für sich beansprucht. Für den Vater begann eine Zeit der Demütigungen und des Leidens.

Plötzlich war die Polizei da
Als U. die Trennung von seinen Kindern nicht mehr aushielt, klingelte er an einem Samstagmorgen an der Wohnungstür seiner Exfrau. Kurz darauf stand die Polizei mit drei Autos vor dem Haus. Die Mutter hatte Anzeige wegen Bedrohung und Nötigung erstattet. Der Beschuldigte verbrachte den Morgen auf dem Polizeiposten.

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Konrad U. setzte alles daran, den Beistand absetzen zu lassen: Er fühlte sich durch den Sozialpädagogen um sein Besuchsrecht betrogen; stattdessen wurde dieses sistiert. «Meine Exfrau verweigert mir nach wie vor die mir zustehenden Informationen», sagt der Vater. Kopien der Schulzeugnisse habe er erst nach mehreren Aufforderungen bekommen. Die Frage, ob die Schulnoten des Sohnes für die Sekundarschule reichen, blieb bis heute unbeantwortet. Sogar telefonischen Kontakt mit den Kindern verbat sich die Mutter.

Auf Drängen des Vaters zeigte sich die Vormundschaftsbehörde bereit, eine Fachperson zu bestimmen, die mit Kindern und Vater ein klärendes Gespräch führen sollte. Im Beisein einer Kinderpsychologin sah U. im Mai dieses Jahres nach 20 Monaten seine Kinder erstmals wieder. «Ich war schockiert», sinniert er. Er habe seinen Sohn als glückliches, sportbegeistertes Kind in Erinnerung. Jetzt sei er einem «abgelöschten» Jungen gegenübergestanden. Ein Trost war die E-Mail am Abend: «Hallo Papa, ich han nur welä sägä, das mär hüt gfallä hät, dich wider mal zgseh.»

Bei diesem «wieder einmal» ist es bis heute geblieben. Die Protestschreiben an die zuständige Vormundschaftsbehörde Wetzikon ZH brachten keine Entspannung. Seit Mitte Jahr wartet U. auf einen konstruktiven Vorschlag. Er ist gesundheitlich angeschlagen und neigt zu Depressionen. «Eigentlich möchte ich nur noch weg von hier», sagt er. Seiner neuen Frau und der 14-jährigen Stieftochter zuliebe bleibe er.

Mittlerweile sieht Konrad U. keinen anderen Weg, als mit den Kindern direkt Kontakt aufzunehmen – im Bewusstsein, gesetzliche Schranken zu übertreten. Von seinem Standpunkt rückt er nicht ab: «Das ist keine Straftat. Dass ein Vater in diesem Land seine Kinder nicht auf legale Art sehen kann, ist eine Gesetzeslücke.»

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