Was Erwachsene im Bett tun, braucht Dritte nicht zu kümmern – und Kinder schon gar nicht. Umso irritierter war Jane Daepp, als ihr Sohn Julian vor kurzem nach Hause kam und sie fragte, ob sie und Papi auch «so Sachen» machen. Was er unter «so Sachen» verstand, zeigte er ihr später am Kiosk: vaginal, anal und oral gleichzeitig, Frauen mit gespreizten Beinen, Dildos in Aktion. Dazu musste der Neunjährige keineswegs einschlägige Hefte in die Hand nehmen oder gar aufschlagen. Die expliziten Bilder finden sich bereits auf dem Cover.

Ort der «sexuellen Belästigung» war ein BP-Tankstellenkiosk in Arbon TG. Julian hatte dort ein Micky-Maus-Heftli kaufen wollen. Dass er dabei derlei Bilder zu sehen bekam, war nicht seine Schuld – die Hefte liegen zwar im obersten Regal, sind aber auch für Kinder bestens sichtbar. Kein Einzelfall: Eine Stichprobe des Beobachters hat ergeben, dass in 11 von 18 verschiedensten Tankstellenshops vom Thurgau bis ins Bernbiet sehr explizites pornographisches Material so ausgestellt wird, dass auch Kinderblicke darauf fallen können. Den Vogel schoss Avia in Weinfelden ab: Auf einer Höhe von 1,3 Metern, also auf Kinderaugenhöhe, liegen die Hefte kaum gefächert offen da.

«Wer Kindern solches Material zugänglich macht, macht sich laut Artikel 197 des Strafgesetzbuchs strafbar und kann mit bis zu drei Jahren Gefängnis oder Geldstrafe bestraft werden», sagt dazu Folco Galli, Mediensprecher des Bundesamts für Justiz.

Avia-Mediensprecher Max Baumgartner zeigte sich «froh über den Tipp». Man werde alle Betreiber diesbezüglich anschreiben und veranlassen, dass derlei Hefte künftig auf mindestens zwei Meter Höhe platziert würden. BP ihrerseits «bedauert sehr, dass ein Kind mit einer erotischen oder pornographischen Zeitschrift konfrontiert wurde», und gelobt Besserung. Mal sehen.

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