Kinderlachen, gellende Schreie und eine Hitze, die einem Schweissperlen aus den Poren treibt. Mitten­drin, umgeben von ihren sechs Schützlingen, Schwimmlehre­rin Regula Ritter – die Ruhe selbst. Ihr Ziel: den Kindern nach dem 14-wöchigen Kurs guten Gewissens das Krebs-­Abzeichen in die Hand zu drücken. Dafür müssen die Kleinen fünf Übungen beherrschen. Zum Beispiel das Flugzeug. Das bedeutet: auf dem Bauch liegen, die Arme ausgestreckt, das Gesicht unter Wasser – und einfach schweben.

Wobei «einfach» leichter dahingesagt ist als getan. Denn Regula Ritter besteht auf Präzision. «Einfach so vergebe ich das Abzeichen nicht», sagt sie. Da ist sie konsequent.

Geübt wird das Flugmanöver mit einer Schaumstoff­nudel, die sich die Kinder unter die Achseln klemmen. Sie sorgt für Auftrieb. Und sie quietscht. Über­haupt quietscht es überall an diesem Morgen im Hallenbad.

«Ich tauche nicht gern»

Oder jemand hustet und spuckt Wasser. Zum Beispiel Moritz, 7. Er hat gerade die ersten Flugversuche unternommen, ist sogar kurz geschwebt – dann ging er unter. «Ich tauche überhaupt nicht gern», meint er, als er den Mund wieder frei hat. «Ich bin ja auch ein Krebs» – genau, und die überleben schliesslich auch an Land. Aber ein Abzeichen gibts nicht für Strandspaziergänge. Also probiers noch mal. Moritz holt tapfer Luft, legt sich aufs Wasser und schwebt.

Kann der kleine Dan vielleicht schon fliegen? In der Tat scheint der Siebenjährige das Flugzeug schon fast wie gefordert zu beherrschen, ohne Nudel und nur mit wenig Hilfestellung. Aber nein: «Ich bin ein Krebsli», antwortet auch er, bevor er zum wiederholten Male untergeht. Doch pflichtbewusst fügt er hinzu: «Das Flugzeug muss ich noch üben.» Aber Adah-Lynn, 5, scheint eine richtige Meisterin des Wassersports zu sein. «Ich bin eine Wasserratte und auch ein Krebs und schwimme wie ein Fisch», sagt sie und strahlt. Ach ja: «Und tauchen kann ich auch ganz lang.» Offenbar ist es beim Schwimmkurs wie im richtigen Leben: Wer nach oben will, muss zuerst mal untendurch.

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