Schön, dass Sie zuerst an die andern und nicht an sich selbst denken. Eben zum Beispiel an zukünftige Kinder. Die Antworten auf Ihre Frage können nicht eindeutig sein. Es gibt Kinder, für die das hohe Alter des Vaters nie ein Thema war (zum Beispiel für Geraldine Chaplin, wie sie in einem Interview sagte), und andere, die sich schämten, weil die Schulkameraden den Vater für den Grossvater hielten.

Interessant ist aber auch, was die späte Vaterschaft für Sie bedeuten würde. Sind Kinder nur der Wunsch Ihrer jungen Frau, oder möchten Sie es selber auch? Lockt Sie die Vaterrolle, die Sie ja schon kennen, oder macht sie Ihnen jetzt eher Angst? Auch hier sind die Erfahrungen anderer später Väter verschieden: Es gibt Männer, die begeistert erzählen, es sei, als hätten sie noch ein zweites Leben geschenkt be-kommen. Sie geniessen es, nochmals eine Familie zu gründen. Manchmal betonen sie, dass sie jetzt viel mehr davon hätten und bessere Väter seien als das erste Mal, weil sie nicht mehr durch den Karriereaufbau belastet seien.

Alte Väter sind im Trend

Andere dagegen erkennen immer deutlicher, dass sie im Alter lieber etwas kürzer-treten würden. Sie fühlen sich durch die Vitalität von Kindern, aber auch von den übrigen Familienaufgaben überfordert. Und: Auch junge Väter können erkranken; aber das Risiko, dass die Kraft nachlässt, bevor die Kinder aus dem Haus sind, wird im Alter grösser.

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Ich empfehle Ihnen deshalb, nicht nur an zukünftige Kinder und an Ihre Frau zu denken, sondern auch für sich selbst genau zu prüfen, ob dieser Schritt für Sie wirklich innerlich stimmt.

Grundsätzlich sind alte Väter im Trend. Väter über 60 machen allerdings erst einige Promille aus, aber darin spiegelt sich bereits die Tatsache, dass wir in einer längerlebigen Gesellschaft leben. Noch stammen die alten Väter meist aus dem Milieu der Künstler und der Stars. Picasso war bei der Geburt seiner Tochter Paloma 65, Anthony Quinn bei der Geburt eines Sohnes gar 81 Jahre alt. Franz Becken-bauer wurde mit 59 Vater und soll gesagt haben: «Es gibt nichts Schöneres, als einem Menschen das Leben zu schenken.»

Das Risiko genetischer Defekte

Alte Väter werden sowohl beneidet als auch verurteilt. Eine repräsentative Umfrage in Deutschland hat 2006 ergeben, dass es 54 Prozent der Bevölkerung peinlich finden, wenn über Siebzigjährige Väter werden. Und 78 Prozent halten es für unverantwortlich gegenüber dem Kind.

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Die Spermien der Männer können bis ins hohe Alter fruchtbar bleiben. Die Gefahr genetischer Defekte soll bei einem Mann über 50 zwar doppelt so gross sein wie bei einem 25-Jährigen, und auch das Risiko, autistische Kinder zu zeugen, soll mit dem Alter des Vaters zunehmen. Aber eine hundertprozentige Risikofreiheit gibt es im Leben nie.

Wer Vater wird, ob alt oder jung, sollte sich seiner Verantwortung bewusst sein. Er wird zusammen mit der Mutter für die Kinder da sein müssen. Ältere Väter sollten sich aber auch Gedanken darüber machen, wie es nach ihrem Tod weitergeht.

Vater zu werden, um zu beweisen, wie jung und fit man noch ist, ist sicher kein gutes Motiv. Wer aber aus Liebe handelt und sich als Vater engagiert, ist für die Kinder von unschätzbarem Wert, ganz egal, wie alt er ist.