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StotternAuch Bruce Willis stotterte

Wenn das Kind stottert, ist die Sorge der Eltern gross. Doch oftmals ist diese unbegründet, da es sich bei vier von fünf Kindern um eine vorübergehende Störung handelt.

Das stotternde Kind wird vielleicht ausgelacht oder von un­verständigen Erziehungspersonen blossgestellt. Es fängt an, sich minderwertig und unfähig zu fühlen.
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Frage von Martha G.: Unsere Kleine ist fünf und stottert. Haben wir etwas falsch gemacht? Und sollen wir wirklich einfach zuwarten, wie es uns die Kindergärtnerin empfiehlt?

Fünf Prozent der Kinder zwischen zwei und fünf Jahren beginnen zu stottern. In der Regel gibt es dafür keinen besonderen Anlass. Es steht nicht, wie in manchen Filmen suggeriert, ein Trauma am Anfang. Sie brauchen sich also keine Vorwürfe zu machen, etwas falsch gemacht zu haben.

Bei vier von fünf Kindern ist das Stottern eine vorübergehende Störung. Sie können getrost noch etwas zuwarten und erst eine Abklärung bei einer Logo­pädin der Schule ins Auge fassen, wenn das Stottern bestehen bleiben sollte.

Stottern ist als genau umschriebene Störung seit den alten Ägyptern bekannt. Moses soll gestottert haben. In neuerer Zeit sollen zum Beispiel Churchill und Bruce Willis betroffen gewesen sein. Rund ein Prozent aller Erwachsenen lebt heute mit dieser Störung.

Über die Ursachen ist sich die Wissenschaft nicht einig. Ein erbliches Moment spielt offenbar eine Rolle, Männer stottern häufiger als Frauen. Fachleute suchen die primäre Störung in einem Fehler in der komplexen Steuerung der vielen Muskeln, die am Sprechakt beteiligt sind. Stottern ist also kein Zeichen für mangelnde Intelligenz, unterdrückte Aggression oder grosse Gehemmtheit, sondern lediglich eine Störung des Sprechablaufs.

Beim Singen wird weniger gestottert

Allerdings kommen leicht psychische Elemente hinzu. Wer stottert, versucht oft, sich zu kontrollieren, verkrampft sich dabei und gerät damit erst richtig in die Störung hinein. Daher wird interessanterweise beim Singen oder Flüstern oder beim Sprechen im Chor viel weniger oder gar nicht gestottert.

Stotterer wissen, bei welchen Wörtern sie anstossen. Einige haben eine Strategie entwickelt, die gefährlichen Wörter sofort durch gleich­bedeutende zu ersetzen, die sie problemlos aussprechen können. So merkt unter Umständen niemand, dass er eigentlich einen Stotterer vor sich hat.

Stottern selbst hat allerdings schon sehr viel mit Stress zu tun. Unter seelischer Anspannung wird das Stottern stärker. Die Reaktion der Umgebung kann jedoch zusätzlich zu neurotischen und sozialen Störungen führen. Das stotternde Kind wird vielleicht ausgelacht oder von un­verständigen Erziehungspersonen blossgestellt. Es fängt an, sich minderwertig und unfähig zu fühlen. Das kann dazu führen, dass es passiv, ängstlich und scheu oder in einer Flucht nach vorne zum ­frechen, verhaltensgestörten Kind wird.

Es gibt mehrere Arten der Therapie

Deshalb ist Therapie wichtig, für Schul­kinder wie für betroffene Erwachsene. Zu jeder Therapie gehört das Erlernen von Sprechtechniken. Eine bekannte Methode lehrt einen, vor jedem Sprechen ganz leicht auszuatmen. Dadurch kann die Verkrampfung vermieden werden, und flüs­siges Sprechen ist möglich.

Ein zweites Element ist die Behandlung der seelischen Folgeerscheinungen und das Erlernen von Entspannungs­techniken. Das Leben der meisten Stotterer wird nämlich von der Angst dominiert, sich mit der Sprachstörung zu blamieren. Diese Angst muss verschwinden, der Stotterer muss lernen, sein Sprachproblem zu akzeptieren.

Als drittes Element ist die Teil­nahme in einer Gruppe sehr fruchtbar. Zum einen ist das ein gefahrloses Übungsfeld für öffentliches Sprechen, zum andern können in der Gruppe Erfahrungen ausgetauscht werden. Man kann dort lernen, mit seinen sozialen Ängsten umzugehen. Versta, eine Vereinigung für Stotterer und Angehörige, vermittelt Informationen, Beratung und Selbsthilfegruppen.

Weitere Informationen

  • Internet: www.versta.ch, www.ulrichnatke.de

  • Buchtipp: Angelika Schindler: «Stottern erfolgreich bewältigen. Ratgeber für Betroffene und Angehörige»; Verlag Natke, 2010, 4. Aufl., 144 Seiten, CHF 28.90
     
Veröffentlicht am 06. Juni 2011