Die Sonne geht erst um acht Uhr auf, die Dunkelheit bricht bereits um halb fünf Uhr ein. In den Wintermonaten sind die Tage kurz, viele Menschen legen ihre Wege bei Dämmerlicht oder gar vollkommener Dunkelheit zurück. Das gilt auch für Kindergarten- und Schulkinder. Sie sind derzeit zu Tausenden im Dunkeln unterwegs – auf dem Weg zum Unterricht, in die Musikstunde, ins Fussballtraining oder vom Hort nach Hause.

«Das Risiko wird unterschätzt»

Das kann zu gefährlichen Situationen führen. Laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung ist die Gefahr zu verunfallen für Fussgänger bei Dunkelheit rund dreimal höher als bei Tageslicht. Kommen Schneefall oder Regen dazu, steigt das Unfallrisiko zusätzlich. «Fussgänger unterschätzen das Risiko häufig», sagt Maggie Kölla von der Arbeitsgruppe «Sicherheit durch Sichtbarkeit», die in der Schweiz seit bald 30 Jahren Aufklärungsarbeit leistet. «Autolenker können Fussgänger bei Nacht viel schlechter wahrnehmen als am Tag, auch bei beleuchteten Strassen.» Besonders gefährdet sind dabei Kinder, denn bis ins Alter von etwa acht Jahren schliessen sie noch zu sehr von sich auf andere. Maggie Kölla: «Kinder sehen die Lichter eines nahenden Autos und gehen davon aus, dass man auch sie sieht.» Das ist häufig ein Irrtum, wie die Statistik zeigt: Jährlich verunfallen 1400 Kinder – jedes siebte davon in der Dämmerung.

Da hilft nur eins: Kinder müssen gut sichtbar sein. «Kleider in hellen, bunten Farben sind schon mal besser als dunkle Jacken und Hosen», sagt Walter Jucker von der Verkehrsinstruktion bei der Kantonspolizei Zürich. «Noch besser sind Sohlenblitze, reflektierende Armbänder und Flächen auf Jacken oder Schulsäcken. Wichtig ist, dass Kinder von vorne, von hinten und von beiden Seiten erkennbar sind.» Tests geben Jucker recht: Reflektierende Materialien sind im Abblendlicht eines Autos bereits aus einer Distanz von 140 Metern erkennbar, helle Kleider machen Fussgänger immerhin in einer Distanz von 40 Metern sichtbar. Wer dagegen in dunklen Kleidern unterwegs ist, den sieht ein Autofahrer erst, wenn er 25 Meter entfernt ist – ein Brems- oder Ausweichmanöver also kaum noch gelingen kann.

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«Es bleibt noch viel zu tun»

Gemäss Walter Jucker ist in den vergangenen Jahren die Einsicht in Sachen Sichtbarkeit gestiegen. «Aber es bleibt noch viel zu tun, vor allem bei Erwachsenen. Sie müssen beim Kleiderkauf für die Kinder auch die Frage der Sicherheit im Strassenverkehr vor Augen haben.» Maggie Kölla ist zuversichtlich, dass die Kleiderindustrie zunehmend entsprechende Produkte anbieten wird. «Das Angebot an Jacken mit reflektierenden Flächen wächst.»