Das Prinzip ist so einfach wie clever: Kinder durchforsten ihren Spielzeug-Fundus, wählen zwei Gegenstände aus, die sie nicht mehr brauchen, und geben diese bei einer Sammelstelle ab. Dafür erhalten sie einen Bon. Er berechtigt dazu, beim Geschenke-Tauschtag kurz vor Weihnachten mitzumachen. Dort dürfen die Mädchen und Buben für ihre zwei gespendeten Spielzeuge ein anderes auswählen. Der Clou an der Aktion sind die überzähligen Plüschtiere und Puppen, Bauklötze und Bilderbücher – Spielsachen, die für arme Kinder gedacht sind. Auch sie erhalten für den Tauschtag einen Bon, brauchen dafür aber keine eigenen Spielsachen abzugeben.

Arme Kinder? Ja, die gibt es bei uns

Beim Tauschtag geht es um mehr als ums Entrümpeln und Entsorgen. Als das Arbeitslosenkomitee Region Basel die Aktion vor zwölf Jahren ins Leben rief, wollte es einerseits auf die wachsende Armut in Familien aufmerksam machen. Anderseits auf die Berge von Spielsachen, die Jahr für Jahr gekauft werden – und nach kurzer Zeit in der Ecke oder im Abfall landen, obwohl sie noch tadellos in Schuss sind. Auch die Caritas Zürich möchte mit ihrer ersten Geschenk-Tausch-Aktion den Fokus auf arme Kinder und Jugendliche richten. Zirka 20'000 sind es im Kanton Zürich. Projektleiter Andreas Bruggmann schätzt, dass durch die Aktion immerhin etwa 500 Kinder beschenkt werden können.

Ein Spielzeug weggeben für ein Kind, dem es schlechter geht – Mädchen und Jungen sollen sich im sozialen Engagement üben und das Teilen lernen. Das ist die Idee hinter der Geschenk-Tausch-Aktion. Erkennen die Kinder den tieferen Sinn? «Ja, wenn man es ihnen erklärt und ihnen altersgerechte Unterstützung bietet», sagt Erziehungsberaterin Bernadette Amacker. Am besten schildere man seinem Kind, dass es auch bei uns viele Familien gibt, die sich keine neuen Weihnachtsgeschenke leisten können. Mit kleineren Kindern können Eltern dann bei den Spielsachen eine Vorauswahl treffen. Denn der vierjährige Sohn kann noch nicht abschätzen, was es heisst, sein Velo zu verschenken. Er wird es vermissen. Jedoch sollte man akzeptieren, dass die neunjährige Tochter das teure Skateboard weggeben will, um sich später einen abgegriffenen Teddy abzuholen.

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Lerneffekte gibt es dabei nach Amackers Überzeugung gleich mehrere: Kindern wird klar, dass es Freude machen kann, etwas wegzugeben; dass es nicht immer nur um die eigenen Wünsche geht. Und dass man Entscheidungen treffen muss: Dieses Spielzeug will ich behalten, jenes aber könnte ein anderes Kind gut gebrauchen. Voraussetzung allerdings ist, dass die Kinder freiwillig mitmachen.

Tauschen macht Spass

In Basel beteiligen sich jedes Jahr rund 300 Kinder an der Aktion. Was von den 600 Spielzeugen übrig bleibt, geht unter anderem an ein Kinderheim oder die Anlaufstelle für Asylsuchende. Neben der Freude am Teilen haben Basler Kinder noch eine andere Leidenschaft entdeckt: den Spass am Tauschhandel. «Schliesslich ist es spannend, sich aus einer Fülle gesammelter Gegenstände etwas auslesen zu dürfen», sagt Catherine Merz vom Arbeitslosenkomitee Region Basel. Und dabei zu merken, dass dies ganz ohne Geld funktioniert. Kindern ab fünf oder sechs Jahren könne man darüber hinaus gut begreiflich machen, dass sie mit der Aktion Abfall vermeiden. Sie bringen gebrauchte Ware wieder in Umlauf, statt sie einfach wegzuwerfen – sie sorgen für ein Stück ökologische Nachhaltigkeit.

Geschenke-Tausch-Aktionen

Basel: in der Offenen Kirche Elisabethen, www.geschenktauschaktion-bs.ch/getausch/

Zürich: Aktionen in Züri-West, Wetzikon, Horgen, www.caritas-zuerich.ch

Spielzeuge können in Zürich ab 11. November, in Basel ab 16. November abgegeben werden. Die Tauschtage finden dann am 16. Dezember statt.