Beobachter: Es gibt Mütter- und Väterberatungen, wozu braucht es da noch ein Babyzentrum?
Marie-Jeanne Augustin: Ich biete keine Beratung, sondern therapeutische Hilfe. Die Eltern werden vom Kinderarzt geschickt oder kommen zu mir, wenn andere Stellen nicht helfen können. So zum Beispiel eine Familie, deren zweites Kind zehn Monate lang fast pausenlos schrie. Als schliesslich eine Milchallergie diagnostiziert wurde, ass es zwar besser, doch die Familie war nach dieser Zeit der Verunsicherung traumatisiert, und das ältere Kind hatte wieder begonnen, das Bett zu nässen. Mit Gesprächen konnten die Ängste gelöst werden.

Beobachter: Sind Mütter heute allzu schnell verunsichert?
Augustin: Mir fällt auf, wie allein sie oft mit ihren Problemen sind. Das führt zu einem hohen Druck, alles richtig zu machen. Viele Mütter trauen ihrer eigenen Intuition nicht. Und es fehlt ihnen an Wissen über die Entwicklung des Kindes. Denn man kann von einem Kind auch zu viel verlangen. So bedeutet scheinbar grundloses Schreien manchmal ganz einfach, dass das Kind getragen und festgehalten werden will. Übrigens ist auch die Rückkehr in den Beruf ein Stressfaktor, der Trennungsängste hervorruft und von Mutter und Kind eine grosse Anpassungsleistung verlangt.

Beobachter: Was gab den Anstoss, ein Babyzentrum zu gründen?
Augustin
: In meiner Arbeit als Psychotherapeutin erlebe ich oft, wie frühe Kindheitserlebnisse sich traumatisierend bis weit ins Erwachsenenalter auswirken. Und Stress oder Konflikte, die nicht gelöst sind, können auf das Kind übertragen werden und eine gute Beziehung verhindern. Im Babyzentrum kann ich da sozusagen präventiv arbeiten.

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Beobachter: Wann sollten sich Eltern unbedingt helfen lassen?
Augustin
: Ein untrügliches Zeichen ist die Angst, mit dem Kind nicht mehr zurechtzukommen. Viele Mütter, die Hilfe suchen, leiden an einer postnatalen Depression. In solchen Fällen kann sich die Mutter durch das Schreien des Kindes abgelehnt fühlen und sie kann dahingehende Phantasien entwickeln, es gewaltsam zur Ruhe zu zwingen. Ebenso nötig ist Unterstützung, wenn die Familie durch eine Krankheit, eine Behinderung oder eine Frühgeburt stark belastet ist.

Babyzentrum Zürich
Wiesenstr. 11
8008 Zürich
Telefon 044 383 53 83
www.babyzentrum.ch