«Schön» – was anderes soll man sagen als: «Ja, es war schön in den Ferien.» Vielleicht noch: «Das Wetter war super.» Das wäre dann nicht einmal gelogen.

Klar, die Neider, die man in der Heimat zurückgelassen hat und die einen nach der Rückkehr löchern mit ihrer schnippischen Fragerei («Und, wie wars?»), die würden lieber die Wahrheit hören. Dass es streng war. Arbeit. Nicht die Ferien aus der Werbung, in denen Sie alles vergessen. Jedenfalls nicht, dass man Ehemann ist. Kinder hat.

Doch diesen Gefallen tut man diesen Heuchlern nicht. Pah! Ich sage: «Schön wars.» Nichts von den Windpocken, die es unserem Sohn irgendwo zwischen Mailand und Triest an den Hintern geweht hat, noch bevor die Ferien richtig begonnen hatten. 14 Tage keine Sonne. Und striktes Badeverbot hat ihm die Inselärztin daraufhin verordnet. Hallo?! Als Schulmedizinerin mochte die was taugen, als Familien- oder Paartherapeutin hätte ihr die Lizenz entzogen gehört.

Hatte sie nur die leiseste Ahnung davon, wie viel Blut, Schweiss und Tränen allein in der Planung eines Familienurlaubs stecken? Und wie viel Nerven das kostet, 500 Kilometer Autofahrt mit einem Kind im Gepäck, das so zufrieden mitfährt, wie es seine gefühlten 1000 Mückenstiche zulassen. Und dann: Strandurlaub ohne Meer und Sonne. Wie stellte sie sich das vor? Ich heute unter den Pinien den getriebenen Sohnemann mit Federball beschäftigen, während Frau am Strand mit der Tochter «bädelet». Morgen Partnertausch. Da hätten wir gleich die Scheidungspapiere unterzeichnen können. Neenee. Ich drückte die ärztliche Verfügung auf drei Schontage, nahm dafür jeden Pickel in Einzelbehandlung. Das musste genügen. Und tat es zum Glück auch.

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Ich verschweige nach der Rückkehr ebenfalls, dass die Inkubationszeit bei Windpocken im Glücksfall exakt 13 Tage beträgt; auf der Rückfahrt fing zwischen Triest und Mailand die Tochter an zu weinen – und hielt 500 Kilometer durch. Aber nein, nichts davon. Es war schön. Wirklich. Und es hat gutgetan. Die Nerven sind gestählt. Das Schlafbedürfnis auf ein Minimum reduziert. Und die Lust auf Alltagsroutine riesig. Wer braucht schon Erholung. Familienferien sind nicht da, um sich zu erholen. Sondern um sich für den Alltag zu Hause fit zu trimmen. Komme, was da wolle – ich bin bereit!