Ich hingegen konnte dem Spruch wenig Erheiterndes abgewinnen. Gerne hätte ich ihm den Flaum unter die Nase gehalten, der mir damals fein, aber spürbar zwischen den Beinen spriesste, und ihm zugeschrien: «Hier, Flaum – immerhin!» Stattdessen zog ich den Schwanz ein und trottete davon wie ein begossener Pudel.

Wenn es um die Entwicklung der primären und sekundären Geschlechtsmerkmale von jungen Menschen geht, zeigen Erwachsene bisweilen die Sensibilität von Panzerfahrzeugen. Sie wissen nicht, was sie damit anrichten. Schamhaar. Scham-Haar; als Kind hatte dieses Wort eine ganz andere Bedeutung für mich.

Heute trage ich konsequenterweise Bart. Schliesslich bin ich dem Flaum – im Gesicht, wohlverstanden – nicht nur einmal mit des Vaters Rasierklinge zu Leibe gerückt, in der Hoffnung, es spriesse dann üppiger – und vor allem endlich. Jetzt, da sie da sind, die krausen Insignien der Männlichkeit, sollen es alle Bennos dieser Welt sehen, meint offensichtlich mein Unterbewusstsein. Ich lasse es geschehen – und kraule genüsslich im Bart. Das entspannt.

Seis drum. Als Vater habe ich mir jedenfalls vorgenommen, gegenüber meinen Kindern feinfühliger zu sein, sie in all ihren Sorgen und Nöten ernst zu nehmen, so banal sie mir auch erscheinen mögen. Was sich hervorragend anhört, ist in der Praxis aber gar nicht so einfach zu bewerkstelligen. Haare im Schritt sind bei meinem Sohn zwar noch kein Thema, dafür die zweiten Zähne. Seit Monaten werde ich gezwungen, ihm ins Maul zu schauen, um immer wieder aufs Neue erstaunt ausrufen zu müssen: «Ah, tatsächlich, da wackelt was!» Dabei wackelt da nichts. Immer noch nichts. Doch ich bring es einfach nicht übers Herz, ihm die Wahrheit zu sagen. Stattdessen stelle ich seine Geduld auf die Probe und sage – in der Hoffnung, irgendwann werde sich das Problem von alleine lösen: «Uiuiui, bis der rausfällt, gehts aber noch eine Weile.»

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Immerhin mache ich mich nicht lustig über ihn. Nein, nie, Gott behüte! Ich lache nicht, wenn er im Kampf Mann gegen Zahn am Schraubenzieher nagt. Oder am Joghurtbecher. Oder am Bettgestell. Oder an der Zahnbürste. Oder am Velogriff. Oder an Kieselsteinen. Ich lache auch nicht, wenn er auf dem Spielplatz alle Kinder nötigt, ihm sämtliche Haselnüsse im Quartier zum Knacken zu überlassen. Ok, geschwindelt, da habe ich gelacht, aber nur ein bisschen. Aber ich habe ihn auch in den Arm genommen und gesagt: «Fin, nimms cool. Kommt Zeit, kommt Schamhaar.» Er hat es nicht verstanden. Aber er wird es noch. Ganz bestimmt.