Bald 40 Jahre alt ist der märchenhafte Film aus der ehemaligen Tschechoslowakei. Und seit fast so vielen Jahren ist er die fünfte Kerze auf meinem Adventskranz: Reitet Aschenbrödel, so etwas wie das Alter Ego meiner Traumfrau, ihren Schimmel, ist Weihnachten. Na-na-na-naah, na-na-na-na-naah, na-na-na-naah, na-na-naah; für so was zahle ich Fernsehgebühren!

Ich freue mich, dass in diesem Jahr erstmals auch meine Tochter mitschauen wird. Na ja, mitgeschaut hat sie schon letztes Jahr, aber da hatte die Kleine noch die geistige Strahlkraft eines Glühwürmchens. In diesem Jahr jedoch wird sie schon was mitschneiden, hoffe ich. Etwa, dass Aschenbrödel – den Böhmen sei Dank – zwar eine Prinzessin ist, zart und süss wie ein Brunsli, aber zugleich robust und herzhaft wie ein Anis-Chräbeli; Aschenbrödel holt sich den Prinzen und klettert trotzdem auf Bäume. Gibt es ein besseres Vorbild für ein heranwachsendes Mädchen?

Warum dieser Werbespot, werden Sie sich fragen, jetzt, einen Monat vor dem Ausstrahlungstermin? Nun, Aschenbrödel kam mir in den Sinn, als sich meine Frau neulich für den Ausgang aufbrezelte. Ein Dutzend Mal wechselte sie das Schuhwerk, und die Entscheidung fiel – was sonst wäre zu erwarten gewesen – auf ein Paar Unkrautstecher, bei dem einen die Füsse schon beim Zuschauen schmerzen. «Viel Spass», meinte ich völlig ironiefrei. «Danke, aber vermutlich werde ich mich mit diesen Schuhen kaum lange auf den Beinen halten können», sagte sie. Und da – genau in jenem Moment – fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Die böse Stiefschwester – bei Grimm waren es noch zwei, die eine sägte sich den grossen Zeh ab, die andere die Ferse zurecht – wollte gar nicht den Prinzen, als sie sich nicht eben zimperlich den Fuss zurechtschnippelte. Sie wollte nur den Schuh!

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«Aber Schätzli», sagte ich, obwohl mir bewusst war, dass mit «aber Schätzli» kein Mann einen Satz beginnen sollte, weil alles, was dann kommt, zur Kampfansage wird. «Aber Schätzli», meinte ich, «du hast endlich mal wieder Ausgang, dich so darauf gefreut, aufs Tanzen und so, und jetzt zwängst du dich freiwillig in diese Spassbremsen?»

«Ach, das verstehst du nicht», antwortete sie. Doch sie hatte unrecht – denn just in jenem Moment fiel die letzte Schuppe: Aschenbrödel hätte ihren Prinzen gar nicht bekommen, hätte sie auf ihrer Flucht Turnschuhe getragen! Vielleicht sollte ich meine Tochter am 25. Dezember doch anderweitig beschäftigen.