Als mir meine Tochter zum Geburtstag ein Bild überreichte, das sehr konkret und expressionistisch daherkam, sagte ich: «Wow. Toll. Sehr schön.» Und: «Vielen Dank. Das hänge ich gleich morgen im Büro auf.»

Als mir mein Sohn zum Geburtstag sein Geschenk überreichte, einen Scherenschnitt, da sagte ich auch: «Wow. Toll. Sehr schön.» Und: «Vielen Dank. Das hänge ich gleich morgen im Büro auf.»

Als uns in der Innenstadt das Märlitram entgegenkam und uns der Samichlaus vom Führerstand aus zuwinkte, da sagte ich zu meiner kleinen Tochter: «Jetzt fährt der Samichlaus schon mit dem Tram in den Wald.»

Als wir dann alle im Tram sassen, diese Werbung der Zürcher Verkehrsbetriebe vor uns mit diesem traurigen, weil von seinem Herrchen offensichtlich soeben an der Tramhaltestelle allein zurückgelassenen Esel da sagte ich zu meiner verstörten Tochter: «Keine Sorge, der Samichlaus kommt bald wieder.»

Als wir den Samichlaus in den folgenden Tagen noch ganz anders in Aktion sahen, mal steif gefroren an einer Fassade hängend, mal als adipös-lasziver Schlittenführer mit ein paar vorgespannten halbnackten Weibern auf einem Erotikkatalog, dessen Frei-Haus-Zustellung ich – ich schwörs – nicht zu verantworten hatte, da sagte ich jeweils immer: «He, he, das isch mer iez aber en luschtige Chlaus, du.»

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Als mich meine Frau fragte, ob ich schon ein Weihnachtsgeschenk für sie wüsste, sagte ich: «Ja. Klar.» Als sie mich später fragte, ob ich es schon gekauft habe, sagte ich auch: «Ja. Klar.» Und als sie mich fragte, was ich noch so Dringendes in der Stadt zu erledigen hätte, sagte ich: «Ach, nichts Dringendes.» Wie mein Sohn auf seinen Wunschzettel «Schlagzeug» kritzelte, sagte ich zu ihm: «Ein wirklich schöner Wunsch.» Und als er mich fragte, wie das Christkind denn all diese Geschenke verteile für all die Kinder auf der Welt, da sagte ich: «Das Christkind ist eben schnell.» Und als er im Heizungsraum zufällig diesen Kinderwagen entdeckte, den sich sein kleines Schwesterchen so sehr wünscht, da sagte ich spontan: «Der gehört einer Nachbarin.»

Wenn Sie mich fragen: Ich bin froh, ist der Dezember bald vorbei, da hat das Lügen endlich ein Ende.

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