Der Arzt musste lange suchen, bis er auf den Geruchsherd stiess: ein altes, vergammeltes Maiskorn. Wie sich herausstellte, hatte Balz mit den Nachbarsbuben einen Weitschnäuzwettbewerb gemacht. Das Korn musste ihm versehentlich in den Nasengängen stecken geblieben sein – und ging dort vergessen.

Nachdem mir Balz diese Kindheitserinnerung aufgetischt hatte, war ich beruhigt, als unser Arzt einen Infekt als Ursache für Fins lästigen Mundgeruch feststellte. «In den Nasenhöhlen steckt nichts, was da nicht hingehört», versicherte er uns. Ich hatte ja auf Apfelkerne getippt. Oder auf eine Rosine. Und tat meinem Sohn Unrecht damit. Offensichtlich ist alles, was er sich in den vergangenen Jahren ins Riechorgan gesteckt hat, irgendwann und irgendwo wieder rausgekommen.

Auf Toiletten und Autobahnbrücken, am Gemeindebrunnen und über dem Tramfenster, überall warnt die Obrigkeit: Bitte nichts hinein-, hinaus- oder hinunterwerfen. Beim Snack-Automaten haben sie eigens einen Mechanismus entwickelt, der die Kinder daran hindert, ihr Glück mit Unterlagsscheiben oder mexikanischen Pesos zu versuchen. Für Steckdosen gibt es Abdeckungen mit Schlüsselsicherung. Ich betone: Für all diese Massnahmen gibt es gute Gründe. Doch werde ich das Gefühl nicht los, die Kinder steckten sich nun einfach alles Erdenkliche in ihre Körperöffnungen. Denn die gehören ihnen, stehen immer für sie offen, spätestens wenn im Zimmer das Licht ausgeht.

Kommt hinzu: Wir Eltern sind inkonsequent. Nehmen wir zum Beispiel das Zäpfli, die unbestritten unangenehmste Form der Medikamentenapplikation. «Halt ruhig, wirst sehen, es tut dir gut», säuseln wir und nennen die heimtückische Arschbombe niedlich «Fudirakete». Dabei ist das Einzige, was Kinder wirklich mitbekommen – und woran man sich auch im Erwachsenenalter noch gut erinnert –, ein unangenehmes Gefühl von Scham und die Empfindung, es schäume danach etwas im Gedärm, das brennt beim Wiederaustritt.

Da muss einem ein gammelndes Maiskorn in der Nase ja wie Kinderkram vorkommen.