Schon als er noch klein war, hatte er nie verstanden, wieso seine Eltern so allergisch auf Waffen reagierten und ihn stets als Glückschäferli an den Fasnachtsumzug schickten und nicht – wie er es sich wünschte – als Cowboy, Pirat oder Räuber, Hauptsache, bewaffnet. Und jetzt, wo er seine Eltern endlich rumgekriegt hat und seine erste Chäpslipistole besitzt, war ihm gänzlich schleierhaft, wieso jemand freiwillig hätte dafür sein sollen, dass man ihm die Chäpslipistole wieder wegnimmt und diese irgendwo wegsperrt.

Natürlich hatten wir versucht, ihn mit Argumenten auf die familiäre Abstimmungsparole einzuschwören. Er schien diese auch aufzunehmen und die Vor- und Nachteile gegeneinander abzuwägen. Doch irgendwie war ihm das Ganze – wie soll man sagen? – zu kopflastig. Letztlich solidarisierte er sich instinktiv mit der Waffenlobby. Das war offensichtlich.

Seine Oppositionshaltung in der innerfamiliären Waffendebatte ging so weit, dass er sich zuletzt sogar beim Thema Schneekanonen hartnäckig uneinsichtig zeigte. Auch hier waren die Meinungen von Sohn und Eltern diametral auseinandergegangen. Stromfresser, Wasserschlucker, Lärmschleuder; egal, was wir an Argumenten zusammentrugen. Wirklich hören wollte er nur: Schnee, Kanone und als positive Konsequenz daraus Skifahren bei frühlingshaften Temperaturen.

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Als am Sonntagabend dann das Abstimmungsresultat vorlag, die elterliche Niederlage also besiegelt war, waren Mami und Papi – man darf es zugeben – richtig stinkig. Sie versuchten gar nicht erst, ihren Unmut herunterzuschlucken, sondern schimpften und polterten ganz gewaltig. Was unsere kleine Tochter, seit je ein zartes, harmoniebedürftiges Persönchen, arg beunruhigte. Zumal sie von der Sache noch nicht viel mehr verstand als: Papi und Mami sind hässig. Und irgendwie scheint die Chäpslipistole ihres Bruders der Grund dafür zu sein.

Also versuchte sie verzweifelt uns auf andere Gedanken zu bringen. «Papi, gäll, es git alti Lüüt, wo toot sind.» «Gäll, sibe isch nöd schnäll.» «Papi, gäll, Polizischte schimpfet immer.» Doch egal, was sie aufs Tapet brachte, Mami und Papi wollten einfach nicht darauf einsteigen. Zu enerviert waren sie. Nach einer Weile trottete sie traurig von dannen, um wenig später zurückzukehren – mit der Chäpslipistole ihres Bruders in der Hand, die sie heimlich aus dem Schrank geholt hatte. «Da, dörfsch ha.»

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Mami und Papi fanden das ganz süss von ihr. Zeigten sich aber als gute Verlierer – und gaben sie dem Sohnemann zurück.