... oder Peter. Oder Tobias. Egal. Denn im Appenzell, so scheint es, sind Kindernamen nicht unbedingt das, worüber sich die erwachsenen Menschen monatelang den Kopf zermartern. Und das ist gut so.

Vermutlich werden Sie von diesem Markus (oder Tobias) nie mehr erfahren als das, was ich Ihnen hier von ihm erzähle. Denn Markus ist ein stinknormaler Junge vom Lande. Man könnte auch sagen: Ein Geissenpeter. Aber das würde den Buben in einer Art verromantisieren, die er nicht verdient hat, weil das dann so von-oben-herab-gesagt klänge. Dabei schaue ich doch eigentlich von unten zu ihm hoch.

Denn dieser archaische Typus Menschenkind ist in der Welt verwurzelt, es treibt einem mäandrierenden Stadtvater wie mir, dem die pädagogische Überzüchtung der Jugend zuweilen quer im Magen liegt, das Wasser ins Auge. Nicht nur, weil er im Sommer barfuss den Mist führt und es ihn nicht kümmert, ob ihm dabei die stinkende Brühe zwischen den Zehen hochquillt.

Oder weil er meinem Sohn, nur drei Jahre jünger als er, so nüchtern wie detailbesessen die künstliche Befruchtung einer Kuh erklärt, dass ich mir die knifflige Aufklärungstheoriestunde am heimischen Küchentisch, die mir und meiner Frau noch geblüht hätte, nun sparen kann, wofür ich ihm unendlich dankbar bin. Auch nicht, weil er am Abend des 25. Dezembers noch den weiten Fussmarsch zu uns und seines Vaters Rindern unternimmt, um den Stall zu machen, allein, so wie er sich das gewünscht hatte – und zur schweisstreibenden Arbeit auch noch fröhlich jodelt und «zeuerlet», während wir, die Gäste aus der Stadt im Haus nebenan, das Ohr an der Stalltür, aufs Christkind oder das Fondue chinoise warten. Nein, ich schaue zu ihm hoch, gerade weil er im Grunde nichts Erhebendes kann.

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Er ist nicht hochbegabt, nicht genial. Nicht frühreif, nicht frühkindlich pädagogisiert. Er ist nicht zweisprachig, nicht belesen, nicht individuell gefördert. Nicht Internat, nicht Montessori, nicht Rudolf Steiner. Markus ist Markus. Oder Tobias. Einfach ein aufgeweckter, netter, lebensfroher kleiner Kerl. Diese ehrliche Haut allein ist es wert, alle paar Wochen mit meinen Kindern hierher aufs Land zu fahren – auch wenn seine grossen «Brüder» mich und unsereinen hier nicht besonders gern sehen und als Zeichen dafür dem «ZH» bei jeder Gelegenheit nah an den Arsch fahren und uns die Schwägalp hochjagen. Ja, dürften sie darüber befinden, würden sie uns Zürcher vermutlich ausschaffen. Denn eines ist klar: Unserer Spezies begegnet man hier allenthalben, von den ominösen schwarzen Schafen hingegen zeugen jeweils nur die Abstimmungsplakate.

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