Für den Nachmittag mit den Kindern hatte ich mir viel vorgenommen. Wieder einmal. Mittagessen beim Götti meines Sohnes, der einen tollen Bus hat, den ich brauchte, um den Pingpongtisch, den ich im Internet ersteigert hatte, irgendwo in der Provinz abzuholen, zuvor aber noch – weils grad auf dem Weg lag und die Kinder ja auch was vom Nachmittag haben sollten – für zwei Stunden in den Kinderzoo, mein Göttibueb mit von der Partie, der in der Nähe wohnt, aber erst noch beim Eishockeystadion abgeholt werden musste, wo er Training hatte. Danach, wie gesagt, zum Pingpongtisch, der leider nicht in den Bus passte und irgendwie aufs Dach musste, was das ganze Programm etwas in Verzug brachte. Dann wieder nach Hause – das Abendessen kochen. Für Letzteres reichte es dann leider nicht mehr. Also ein nettes «Sprüchli» auf die Combox: «Salut, Schätzli. Chömed es bitzeli spöter. Chasch ja d Spätzli brötle und es Rahmsösseli dezue mache. Bis grad.»

Es vergingen keine fünf Minuten, erhielt ich ein SMS: «Typisch, Event-Papi!» Klang irgendwie nicht besonders begeistert, wie ich fand. Nun hätte ich zurückschreiben können: «Keine Sorge. Habe alles unter einen Hut gebracht. Die Kinder und ich haben es immer noch lustig. Fin findet den Pingpongtisch im Fall super. Und Liv hat nur einmal geweint, als ich sie zwingen wollte, wenigstens den Geissen ein einziges, krümliges Popcorn abzugeben.» Aber ich beliess es beim Gedanken. Denn eigentlich konnte ich ihren Vorwurf nachvollziehen. Sie bestreitet weitgehend den Alltag mit den Kindern, was per definitionem ziemlich alltäglich ist. Ich hingegen habe einen Vatertag. Da hat man nicht nur genug Kraft für das extravagante Erlebnis, sondern auch das Anrecht darauf, weil nur rumhängen an diesem einen Tag würde dem Vatertag nicht gerecht.

Hochmut kommt vor dem Sprung

Weil ich nun mal aber ein netter Kerl bin, gönnte ich meiner Frau als Vergeltung ein wenig Schadenfreude. Und das ging so: Jahrelang fragte mich mein Sohn ob auf Brücken oder in Bädern, ob ich denn von so hoch oben wie hier oder dort schon mal ins Wasser gesprungen sei. Und stets meinte ich – ganz Event-Papi: «Logo!» Dass jeder dieser Events Jahre zurücklag, verschwieg ich geflissentlich.

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Eines Vatertages kam, was kommen musste: «Papi, springst du von diesem 10-Meter-Turm?» – Ähm, klar. Ich stieg hoch. Bekam unglaublich Schiss. Sprang trotzdem – und klatschte ein klitzekleines bisschen allzu breitbeinig ins Wasser. Abends schlich ich ziemlich kleinlaut und o-beinig an den Familientisch. Als wäre Event-Papi beim Intimcoiffeur gewesen und hätte sich sein erstes Brazilian Waxing gegönnt.