Er tat es beiläufig. Im Weglaufen. Spie es quasi über die Schultern mir vor die Füsse. «Arschloch» – gaats no?

Es war das erste Mal, dass Fin mir gegenüber verbal in die Toilettenschüssel griff. Ob zu Recht – objektiv betrachtet, meine ich –, weiss ich gar nicht mehr so genau, weil ich mich auch gar nicht mehr so genau daran erinnern kann, was ihn geritten hatte, als ihm dieses «Arschloch» aus dem Mund schoss. Vermutlich wollte er mal wieder «unbedingt» weil «ganz wichtig» und «nur ganz kurz» zum Kollegen «gleich da drüben» im 20. Stock in dem «blauen Haus», das ich doch kenne, «gleich um die Ecke» irgendwo «im Quartier» am anderen Ende der Stadt – und das fünf Minuten vor dem Abendessen. Und wieder mal war mir vermutlich nichts anderes übrig geblieben, als Nein zu sagen. Nicht einmal, nicht zweimal, nicht dreimal. Und beim fünften Mal knallte er mir vermutlich das «Arschloch» vor den Latz. Und ich kaute schwer daran.

Na warte Bürschchen, sagte ich mir, so billig kommst du mir nicht davon. Ich zitierte ihn zu mir. Ruhig, aber bestimmt und mit erhobenem Finger trichterte ich ihm in seinen fünfeinhalb Jahre alten Kopf eine Lektion in Sachen Anstand.

Meine Worte knickten ihn. In gebeugter Haltung zog er von dannen, um ein paar Sekunden später zurückzukehren und in sanftem Ton zu fragen: «Papi, was isch dänn eigentlich äs Arschloch?» In väterlichem Ton und mit dem Nimbus der «Sendung mit der Maus» meinte ich trocken: «Das ist ein Füdliloch.»

Fin hatte verstanden und schritt davon, um Sekunden später erneut umzudrehen und zu meinen, breitbeinig und die Hände in die Hüften gestemmt: «Äs Füdliloch isch doch gar nüt Schlimms!» Tja. Da sass ich nun in der Tinte.