Beim Betreten des Fachgeschäfts ging ich – auf Einkaufstouren eher unüblich – voran, Frau und Sohn kamen nach. Ich war zielstrebig, musterte das bescheidene Angebot – Trikots in Kleinkindgrösse anzubieten, leisten sich nur internationale Grossklubs – und entschied: Manchester United. Rotes Hemd. Weisse Hosen. Süss. Und: mit meinem fussballerischen Gewissen halbwegs zu vereinbaren.

Ich hatte die Kombination schon beinahe an der Kasse, als ich aus dem Augenwinkel sah, wie meine Frau am anderen Ende des Geschäfts gerade die Barcelona-Combo vom Haken nahm. Ich wusste gleich, was das bedeutete, war eigentlich nur noch gespannt auf die Begründung. «Weisse Hosen?», hielt meine Frau fest, nur ironiehalber als Frage formuliert. «Das gibt doch ständig diese hässlichen Grasflecken, die kein Mensch je wieder rausbringt.» Ich versuchte dagegenzuhalten: Was solls? Grasflecken gehören schliesslich zum Fussball dazu – zog letztlich aber den Kürzeren und meine Tochter dieses weinrote Messi-Shirt an, wie es heute fast alle Kinder tragen, insbesondere die, die auf dem Pausenplatz als Letzte gewählt werden, wie mir schon aufgefallen ist.

Meine Niederlage besiegelt hatte mal wieder ein Totschlägerargument, wie es nur Frau mit dem Rücken zur Wand schwingen kann: «Du kannst es schon kaufen» (Anm. d. Red.: Weibliche Totschlägerargumente werden gern mit vermeintlich grosszügiger Geste ins Feld geführt.) «wenn du mir versprichst, dass du die Grasflecken dann auch selber wieder rauskriegst.» Zack und erwischt!

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Mit Googles Hilfe in die Bredouille

Natürlich hätte ich ihr dieses Versprechen gern gegeben. Allein, ich hätte es nicht halten können. Grasflecken auszuwaschen gehört – ich gebs zu – nicht zu meinen Stärken. Dabei habe ich es wirklich schon versucht, war eigens «Grasflecken aus Hosen waschen» googeln gegangen. Doch erging es mir dabei wie in diesen neumödischen Kaffeehäusern: Eigentlich will man einfach nur einen Espresso trinken, und am Ende nimmt man einen Tall Caramel Macchiato, einfach weil es den gibt, obwohl man genau weiss, dass man ihn nicht mögen wird, weil man ja eigentlich nur einen profanen Espresso wollte.

Essigessenz, Zahnpasta, Gallseife, Glyzerin, Spiritus, Zitronensaft, Butter, sogar Haarspray wurde mir im Kampf gegen die Grasflecken empfohlen. Ich setzte auf den Essig. Obs am Zu-viel-Rubbeln, an der Menge oder am Essig per se lag, weiss ich nicht. Die Jeans war auf jeden Fall futsch…