Ostersonntagabend überkam mich plötzlich die unbändige Lust auf Ausgang. Zehn Jahre nach dem Fall der «Vergnügungseinschränkungen an hohen Feiertagen» ein bisschen zu tanzen, diese Vorstellung gefiel mir irgendwie. Und dann landete ich zufällig vor diesem Partytempel, in dem sich die Zürcher Jugend regelmässig die Nächte um die Ohren haut – und manchmal auch was anderes, wie man ebenso regelmässig den Kurznachrichten entnehmen kann. «Live at Easter Festival», stand auf dem Plakat. Und: ab 14 Jahren. Warum nicht? Jeder Vater sollte hin und wieder abchecken, was die Teenager von heute an den heiligen Wochenenden so treiben. Dachte ich.

Ich dachte falsch. Väter sollten das gar nicht so genau wissen. Doch als mir das dämmerte, stand ich bereits ganz vorne in der Schlange. Umgeben von aufgetakelten Girls und coolen Boys, die meine Kinder hätten sein können und derart drängelten, dass an Rückzug nicht mehr zu denken war. Ich fühlte mich deplatziert wie eine leicht bekleidete Gogo-Tänzerin, die versehentlich an einem Kindergeburtstag aus der Torte gesprungen ist.

«89», sagte das Girl an der Kasse. 89 Franken? Ich schüttelte den Kopf und meinte: «Kein Festivalpass. Nur heute Abend, das reicht.» – «Eben, 89 Franken.» Ich schluckte leer – und bezahlte.

Die Hauptattraktion des Abends war dann eine bald 40-jährige Rapper-Legende aus New York. Er eröffnete sein Konzert in Rock-’n-Roll-Manier und berichtete, wie deutsche Polizisten ihn und seine Crew auf dem Weg in die Schweiz kontrolliert und des Marihuanas entledigt hätten. Was jedoch nicht allzu schlimm schien, denn sie hatten offensichtlich bereits Nachschub bekommen. Gleichwohl reichte des Partyvolkes Entrüstung locker für ein «Fuck the Police!» aus hundert Kehlen.

Das Konzert war dann gar nicht so schlecht. Doch das allgemeine Niveau der Veranstaltung beschreibt am besten die Bier-Werbung, die in grossen Lettern über dem Partyvolk prangte. Ich zitiere: «Guten Abend, sehr verehrte Zuprosterinnen und Zuproster, hier spricht der Tagesschaum. Zu mir oder zu Bier?» – Väter sollten das alles wirklich nicht wissen – und Mütter schon gar nicht.

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